Kunst als Therapie – in der Psychotherapie wird schon lange erfolgreich mit Kunsttherapie gearbeitet. Sie wird gezielt eingesetzt, um Menschen auf vielen Ebenen bei der Bewältigung von Problemen zu helfen, aber auch, um ihre kognitiven Fähigkeiten zu fördern.

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Was ist Kunsttherapie und was bewirkt sie?

Kunsttherapie ist eine psychotherapeutische Methode, bei der kreative Prozesse wie Malen, Zeichnen, Modellieren oder andere künstlerische Ausdrucksformen genutzt werden, um Menschen bei der Bewältigung seelischer, emotionaler oder sozialer Probleme zu unterstützen.

Ziel der Kunsttherapie

Das Ziel ist nicht primär das Erschaffen eines „schönen“ Kunstwerks, sondern die Auseinandersetzung mit inneren Bildern, Gefühlen und Konflikten. Der kreative Prozess fördert Selbsterkenntnis, Ausdrucksmöglichkeiten und kann helfen, Lösungen für persönliche Fragestellungen zu finden.

Kernpunkte der Kunsttherapie

  • Sie wird oft begleitend in Kliniken, Praxen, Schulen oder sozialen Einrichtungen eingesetzt, z. B. bei psychischen Erkrankungen, Traumata, Entwicklungsstörungen, Demenz oder in der Rehabilitation.
  • Die künstlerische Tätigkeit kann helfen, nonverbal Erlebtes auszudrücken, das schwer in Worte zu fassen ist.
  • Die entstandenen Werke dienen als Gesprächsgrundlage zwischen Therapeut*in und Klient*in, um Gefühle und Erlebtes zu reflektieren.
  • Kunsttherapie ist für alle Altersgruppen geeignet und setzt keine künstlerischen Vorkenntnisse voraus.
  • Sie wird von speziell ausgebildeten Kunsttherapeut*innen durchgeführt.

Wirkung von Kunsttherapie

Durch kreatives Gestalten werden innere Potenziale freigesetzt und emotionaler Ausdruck gefördert. Dies wirkt sich nachhaltig auf das Wohlbefinden aus und unterstützt die individuelle Entwicklung. Die therapeutische Begleitung in der Kunsttherapie bietet Raum für Selbstreflexion, Achtsamkeit und persönliches Wachstum.

Künstlerische Ausdrucksformen dienen als Schlüssel zur inneren Welt des Individuums und können tief verankerte emotionale Themen ans Licht bringen. So entsteht ein ganzheitlicher Ansatz zur Heilung von seelischen Verletzungen und emotionalen Blockaden.

Die Kunsttherapie eröffnet somit einen Raum für Selbstentfaltung und Selbstheilung, der auf einer einzigartigen Verbindung von Kunst, Psychologie und Therapie basiert.

Wissenschaftliche Grundlagen der Kunsttherapie

Studien belegen die signifikante Wirkung von Kunst auf das Gehirn und die Emotionen. Die Verbindung zwischen bildender Kunst und psychischem Wohlbefinden ist unbestreitbar. Durch das kreative Schaffen werden nicht nur neuronale Netzwerke aktiviert, sondern auch emotionale Blockaden gelöst.

Die Kunsttherapie basiert auf Erkenntnissen aus Psychologie, Neurowissenschaften und Soziologie. Sie integriert ganzheitliche Ansätze zur Förderung von Selbstausdruck, Selbstreflexion und emotionaler Resilienz. Die interdisziplinäre Natur der Kunsttherapie verdeutlicht ihre Wirksamkeit bei der Behandlung von Angststörungen, Depressionen und Traumata.

Die wissenschaftlichen Fundamente unterstützen die Legitimität und Effektivität der Kunsttherapie als anerkannte psychotherapeutische Methode.

Die Rolle des Therapeuten in der Kunsttherapie

Die Therapeut*innen spielen eine bedeutende Rolle in der Kunsttherapie, indem sie einfühlsam und professionell den Prozess des kreativen Gestaltens begleiten. Durch empathische Unterstützung schaffen sie ein sicheres Umfeld, in dem die Klienten ihre Emotionen und Gedanken frei ausdrücken können.

Therapeut*innen fungieren als Vermittler zwischen Kunstwerk und innerem Erleben, indem sie feinfühlig auf verborgene Botschaften und Symbole achten. Mit seiner Fachkenntnis lenken sie den Fokus auf transformative Elemente im künstlerischen Schaffen, um positive Veränderungen anzuregen. Durch gezielte Interventionen werden Selbstreflexion und persönliches Wachstum gefördert.

Die therapeutische Beziehung basiert auf Vertrauen und Respekt, was es den Klienten ermöglicht, sich authentisch und ganzheitlich zu entfalten. In dieser Partnerschaft unterstützen Therapeut*innen die individuelle Entwicklung und begleiten die Klient*innen auf ihrem Weg zu emotionaler Heilung und Selbstverwirklichung.

Vorteile der Kunsttherapie im Vergleich zu anderen Therapieformen

Die Vorteile der Kunsttherapie im Vergleich zu anderen Therapieformen sind unbestreitbar. Durch die kreative Selbstentfaltung in Form von Malerei, Bildhauerei oder anderen künstlerischen Ausdrucksformen können tiefgreifende emotionale und psychologische Prozesse angestoßen werden.

Im Gegensatz zu konventionellen Therapiemethoden ermöglicht die Kunsttherapie eine nicht-verbale Kommunikation, die oft effektiver ist, um verborgene Emotionen und Traumata ans Licht zu bringen. Die künstlerische Gestaltung bietet einen sichereren Raum, um sich auszudrücken und dabei neue Perspektiven zu entdecken. Zudem fördert sie die Kreativität, die Selbstreflexion und stärkt das Selbstbewusstsein der Teilnehmer auf positive Weise.

Diese ganzheitliche Herangehensweise macht die Kunsttherapie zu einer einzigartigen und wirksamen Methode der psychologischen Unterstützung und Heilung.

Malen mit Aquarellfarben

Welche Techniken werden in der Kunsttherapie angewandt?

In der Kunsttherapie existiert eine Vielzahl von Techniken und Methoden, die individuell auf die Bedürfnisse und Ziele der Klient*innen abgestimmt werden. Dazu gehören

  • Malen und Zeichnen
  • Plastisches Gestalten
  • Collagen
  • Kombination verschiedener Ausdrucksformen
  • Gruppen- und Einzelarbeit

Kreatives Gestalten als Ausdrucksmittel in der Kunsttherapie

Kreatives Gestalten dient in der Kunsttherapie als kraftvolles Ausdrucksmittel, das Ihnen ermöglicht, Ihre inneren Gedanken, Emotionen und Erfahrungen auf eine einzigartige Weise zu verarbeiten und auszudrücken. Durch das handwerkliche Tun und die Gestaltung von Kunstwerken können Sie auf nonverbale Weise kommunizieren, was oft tiefer geht als Worte es je könnten.

Das Schaffen von Bildern, Skulpturen oder anderen Kunstwerken erlaubt es Ihnen, sich kreativ auszudrücken und verborgene Gefühle ans Licht zu bringen. Diese Form der Selbstreflexion und Selbstentdeckung kann Ihnen dabei helfen, unbewusste Konflikte zu erkennen und zu bearbeiten. Indem Sie sich durch künstlerischen Ausdruck ausdrücken, können Sie neue Perspektiven gewinnen und positive Veränderungen in Ihrem Leben anstoßen.

Malen und Zeichnen

Das Malen und Zeichnen mit Farben, Stiften, Kreiden oder anderen Materialien ist eine der häufigsten Methoden. Die Klient*innen bringen spontan oder nach bestimmten Vorgaben Bilder zu Papier.

Ziele und WirkungBeispiele
– Gefühlsausdruck ohne Worte
– Entdeckung unbewusster Themen
– Förderung der Selbstwahrnehmung
– Stressabbau durch anhaltende kreative Tätigkeit
Gefühlsbilder malen („So sieht heute meine Stimmung aus“), freies Malen ohne Vorgaben, Themenvorgaben (z. B. „Mein sicherer Ort“, „Mein inneres Kind“)

Plastisches Gestalten (Modellieren, Skulpturen)

Mit Ton, Speckstein, Papiermaché, Holz, Draht oder anderen Materialien werden dreidimensionale Werke geschaffen.

Ziele und WirkungBeispiele
– Intensiver Körperbezug durch das Arbeiten mit den Händen
– Verarbeitung von inneren Spannungen durch das Formen und Kneten
– Erlebbar-Machen von Grenzen, Standfestigkeit oder Instabilität
Modellieren einer Figur, die ein Lebensgefühl ausdrückt, Gestalten eines Schutzobjekts, Arbeit mit Masken

Collage

Bei Collagen werden Bilder, Papierstücke, Textfragmente und andere Materialien auf einem Untergrund kombiniert. Assemblagen beziehen dreidimensionale Materialien mit ein.

Ziele und WirkungBeispiele
– Zusammenfügen scheinbar unzusammenhängender Elemente, um neue Bedeutungen zu finden
– Förderung der Kreativität und Problemlösung
– Integration verschiedener Lebensaspekte
Lebenscollage: Bildcollage zu Lebensphasen, Wunsch- oder Traumcollage, Ressourcenplakat (eigene Stärken und Unterstützungen)

Interdisziplinäre Techniken

Die Kombination verschiedener künstlerischer Ausdrucksformen, z. B. Malen, Schreiben (Poesietherapie), Musik, Bewegung oder Theater.

Ziele und WirkungBeispiele
– Ganzheitliche Erfahrung
– Intensivierung des Ausdrucks
– Neue Wege finden, um Gefühle oder Erinnerungen zugänglich zu machen
Zu einem gemalten Bild eine Geschichte schreiben
Ein Bild in eine Bewegung oder ein Standbild übersetzen

Gruppenarbeit und interaktive Methoden

Die Arbeit in Gruppen kann gegenseitige Spiegelprozesse, soziale Kompetenzen und den Austausch fördern.

Ziele und WirkungBeispiele
– Gemeinschaftserfahrung
– Lernen durch Betrachten und Besprechen der Werke anderer
– Förderung von Empathie und sozialen Fähigkeiten
Gemeinsames Gestalten eines großen Wandbilds
Präsentation und Besprechung eigener Werke in der Gruppe

Hinweis: Die Auswahl der Techniken richtet sich immer nach den Bedürfnissen, Ressourcen und Belastungen der Klientinnen. Kunsttherapeut*innen sorgen für sicheren Rahmen, unterstützen bei der Interpretation und geben Impulse zur Reflexion – die Deutungshoheit beim Werk liegt immer bei den Klient*innen.

Kunsttherapie birgt auch Herausforderungen

Typische Herausforderungen und Lösungen in der Kunsttherapie

Vielen Menschen sind während der Therapie gehemmt. Gründe dafür sind z. B. kein Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben, Angst vor Bewertung, Angst davor, dass schwierige Themen und Emotionen „hochkommen“. Andere haben nicht genug Geduld für eine längere Therapie und wünschen sich „Sofortlösungen“, die unrealistisch sind.

Verunsicherung und Hemmungen („Ich kann doch gar nicht malen!“)

Viele Menschen haben Angst, etwas „falsch“ zu machen, oder glauben, sie seien „nicht kreativ genug“. Das kann zu Blockaden führen.

Lösungen:

  • Betonung, dass es nicht um künstlerische Leistung, sondern um Selbstausdruck geht.
  • Bereitstellung vielfältiger Materialien und Techniken zum Ausprobieren.
  • Einsatz von einfachen Mitteln (z. B. Kritzeleien, abstrakte Formen), um den Einstieg zu erleichtern.
  • Positive, wertschätzende Rückmeldungen und Einladung zum Experimentieren.

Angst vor Bewertung und Bloßstellung

Manche Klient*innen fürchten, ihre Werke könnten kritisiert oder von anderen bewertet werden – besonders in Gruppen.

Lösungen:

  • Klare Vereinbarungen über Vertraulichkeit und Wertfreiheit im Gruppensetting.
  • Ermutigung zum Teilen nur, wenn es sich für die Person stimmig anfühlt.
  • Fokus auf eigene Deutung und Erleben, keine Fremdinterpretationen ohne Zustimmung.
  • Raum für Rückzug schaffen, wenn das Teilen schwerfällt.

Schwierige oder belastende Themen tauchen auf

Im kreativen Prozess können unbewusste Konflikte, Ängste oder traumatische Erinnerungen aktiviert werden, was sehr belastend sein kann.

Lösungen:

  • Behutsame Begleitung, Wahrnehmen und verbalisieren von Gefühlen.
  • Gemeinsames Deuten und Bearbeiten des Themas im geschützten Rahmen.
  • Techniken, um zu stabilisieren (z. B. Ressourcenbilder, Pausen, Entspannungsübungen).
  • Rückgriff auf ressourcenorientierte Methoden und das „Wiedereinsammeln“ am Ende der Stunde.

Wunsch nach schnellen Lösungen oder „klaren Erklärungen“

Manche Klient*innen erhoffen sich eine direkte Lösung oder eindeutige Interpretationen aus ihren Bildern.

Lösungen:

  • Offenheit, die Kunsttherapie als Prozess zu begreifen; Entwicklungen brauchen Zeit.
  • Vermittlung, dass Bilder subjektiv sind und nicht eindeutig „gelesen“ werden können.
  • Förderung der eigenen Bilddeutung und Selbstreflexion statt autoritärer Vorgaben.
  • Klare Kommunikation der therapeutischen Arbeitsweise und Grenzen.

Motivationsmangel oder Therapieabbruch

Manche Klient*innen verlieren das Interesse oder brechen die Therapie vorzeitig ab.

Lösungen:

  • Individuelle Ziele regelmäßig überprüfen und anpassen.
  • Gemeinsames Festhalten von Fortschritten (z. B. durch Bildreihen oder kleine Erfolgserlebnisse).
  • Kreative Techniken abwechslungsreich gestalten und an den Alltag anknüpfen.
  • Wertschätzung auch für kleine Schritte betonen.

Beziehungsdynamik: Abhängigkeit oder Widerstand

Wie in jeder Therapie kann es zu Abhängigkeitsgefühlen oder Widerstand gegen die therapeutische Beziehung kommen.

Lösungen:

  • Förderung von Eigeninitiative und Selbstverantwortung der Klient*innen.
  • Spiegeln von Widerständen und gemeinsam nach deren Ursprung und Sinn schauen.
  • Bewusste Rollenklarheit und professionelle Distanz wahren.
  • Supervision und Intervision zur Reflexion der eigenen Rolle nutzen.

Kunsttherapie erfordert Fingerspitzengefühl, Geduld und Flexibilität. Zentrale Lösungen sind ein wertfreier, geschützter Rahmen, individuelle Begleitung und das respektvolle Ernstnehmen der Ausdrucksformen und Grenzen der Klient*innen.

Wie kann man Kunsttherapeut*in werden?

Es gibt in Deutschland und vielen anderen Ländern eine spezielle Ausbildung zum/zur Kunsttherapeut*in. Der Weg dorthin kann zwar unterschiedlich verlaufen, aber es gibt einige Grundstrukturen und anerkannte Qualifikationswege, die wir in diesem Abschnitt vorstellen.

Grundvoraussetzungen

In der Regel wird eine abgeschlossene (Fach-)Hochschulreife oder eine abgeschlossene Berufsausbildung im sozialen oder künstlerischen Bereich verlangt. Hilfreich und oft vorausgesetzt sind Vorkenntnisse in Kunst, Psychologie, Pädagogik oder sozialen Berufen (z. B. Erzieherin, Sozialarbeiter*in, Pflegefachkraft, Kunstlehrer*in etc.).

Persönliche Voraussetzungen sind:

  • Freude am künstlerischen Ausdruck und an der Arbeit mit Menschen
  • Offenheit, Empathie, Reflexionsfähigkeit
  • Bereitschaft zur Selbstreflexion und Supervision

Ausbildungsmöglichkeiten

AusbildungInhalteDauerQualifikation
Hochschulstudium an Hoch- und FachschulenKunst und künstlerische Praxis, Psychologie, Psychotherapie, Medizin, Selbsterfahrung, Praxiseinsätze.6–8 Semester (Bachelor), 2–4 Semester (Master)Der Master-Abschluss qualifiziert in der Regel für die Arbeit im klinischen oder therapeutischen Bereich.
Weiterbildungen und berufsbegleitende AusbildungenTheorie, Praxis, künstlerischer Selbsterfahrung und Praktika. Oft abgeschlossene Hochschulbildung oder Berufserfahrung im therapeutischen/künstlerischen Bereich nötig. 2–4 Jahre (je nach Umfang)Zertifikat/Diplom der jeweiligen Institution.

Anerkennung und Berufsanerkennung

Empfehlenswert ist die Ausbildung an einem von Fachverbänden anerkannten Institut oder Studiengang – z.B. DFKGT (Deutscher Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie) oder DGKT (Deutsche Gesellschaft für künstlerische Therapieformen). Viele Arbeitgeber verlangen die Anerkennung durch einen Verband sowie entsprechende praktische Erfahrung.

Arbeitsfeldern für Kunsttherapeut*innen

Die Arbeitsfelder für Kunsttherapeuten und Kunsttherapeutinnen sind breit gefächert:

  • Kliniken (Psychiatrie, Psychosomatik, Neurologie, Onkologie)
  • Reha-Einrichtungen
  • Schulen, Jugendhilfe, soziale Einrichtungen
  • Altenpflege, Hospize
  • Selbstständige Praxis/Supervision

Was sind die Anwendungsbereiche der Kunsttherapie?

Die Anwendungsbereiche der Kunsttherapie sind vielfältig und erreichen Menschen jeden Alters und jeder Lebenssituation. Von Kindern mit Entwicklungsstörungen bis hin zu Senioren in Pflegeheimen – die Kunsttherapie kann bei einer breiten Palette von Herausforderungen unterstützen.

Auch in der psychosomatischen Rehabilitation und bei Traumata hat sie sich als wirkungsvoll erwiesen. Ebenso finden Menschen mit psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen in der Kunsttherapie einen heilsamen Weg zur Genesung. Zudem bietet sie Raum für persönliches Wachstum und Selbstreflexion, unabhängig von künstlerischem Talent oder Vorerfahrung.

Für wen ist Kunsttherapie geeignet?

Kunsttherapie ist für Menschen jeden Alters geeignet, die sich auf nonverbale Weise ausdrücken möchten:

  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die Schwierigkeiten haben, ihre Gefühle und Gedanken in Worte zu fassen, können von Kunsttherapie profitieren.
  • Personen mit psychischen Problemen wie Angststörungen, Depressionen, Traumata oder Essstörungen können durch künstlerisches Schaffen ihre Emotionen besser verarbeiten und Selbstheilungskräfte aktivieren.
  • Auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen oder neurologischen Erkrankungen können von Kunsttherapie profitieren, da sie ihre motorischen Fähigkeiten verbessern und ihre kreativen Potenziale entfalten können.
  • Kunsttherapie kann auch für Menschen in Krisensituationen oder mit Beziehungsproblemen hilfreich sein, um neue Perspektiven zu gewinnen und emotionalen Ausgleich zu finden.

Grundsätzlich ist Kunsttherapie für jeden geeignet, der sich auf kreative Weise mit sich selbst auseinandersetzen und persönliche Entwicklung fördern möchte.

Kunsttherapie mit Kindern

Arbeiten mit Kindern und Senior*innen

Am häufigsten arbeiten Kunsttherapeut*innen mit Seniorinnen und Senioren sowie mit Kindern und Jugendlichen. Die jeweiligen Besonderheiten erklären wir im Folgenden.

Kunsttherapie mit Kindern

Kunsttherapie mit Kindern ist ein spezielles, sehr wirkungsvolles Feld, da Kinder sich häufig leichter durch kreative Tätigkeiten als durch Worte ausdrücken. Sie profitieren besonders von einem spielerischen und nonverbalen Zugang zu ihren Gefühlen, Sorgen oder Stärken.

Sie bietet Kindern einen sicheren, geschützten Rahmen, um sich frei zu äußern, innere Konflikte spielerisch und kreativ anzugehen und neue Wege für sich zu entdecken – unabhängig von sprachlichen oder kognitiven Voraussetzungen.

Zielgruppe

  • Kinder mit emotionalen, sozialen oder Verhaltensauffälligkeiten
  • Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Traumata, Trennungserlebnissen, chronischen Erkrankungen
  • Kinder mit Problemen im familiären oder schulischen Kontext
  • Auch als begleitende Maßnahme bei ADHS, Autismus, Angststörungen oder Depressionen

Methoden und Techniken

  • Malen, Zeichnen, Basteln: Mit altersgerechten Materialien (Fingerfarben, Buntstifte, Ton, Naturmaterialien)
  • Spielerisches Gestalten: Figuren modellieren, Collagen kleben, Fantasiewelten bauen
  • Themenzentrierte Aufgaben: „Male deine Familie“, „Male, was dich freut/ängstigt“, „Gestalte einen Superhelden“
  • Freies Gestalten: Ohne Vorgaben; Kinder wählen Material und Thema
  • Geschichten und Bildserien: Entwicklung und Verarbeitung von eigenen Geschichten in Bildern oder Serien

Rolle des/der Kunsttherapeut*in

  • Schafft einen vertrauensvollen, geschützten Raum
  • Gibt Impulse, beobachtet und unterstützt, ohne zu bewerten
  • Nutzt kindgerechte Sprache, erklärt Abläufe verständlich
  • Interpretiert niemals ohne Zustimmung und erklärt Deutungen altersgerecht
  • Bindet Spiel, Humor und Fantasie mit ein

Wirkungen und Ziele

  • Emotionale Entlastung: Gefühle ausleben, die schwer in Worte zu fassen sind
  • Selbstwert stärken: Erfolgserlebnisse durch das Geschaffene, Stolz auf eigene Werke
  • Kreative Problemlösung: Kinder entwickeln spielerisch eigene Lösungsansätze
  • Förderung sozialer Kompetenzen: In der Gruppe werden Rücksicht, Austausch und Zusammenarbeit geübt
  • Verarbeitung von Erlebnissen: Schwierige Erfahrungen (Verlust, Scheidung, Krankheit) können in Bildern verarbeitet werden
  • Kommunikationsförderung: Das entstandene Werk bietet Anknüpfungspunkte für Gespräche mit Therapeut*in, Eltern, Lehrkräften

Praxisbeispiele

  • Ein 8-jähriges Kind, das nach einem Umzug sehr still geworden ist, gestaltet eine Fantasiewelt und spricht darüber, was dort besser ist als in Wirklichkeit.
  • Ein Kind mit wiederkehrenden Wutanfällen malt „sein Wutmonster“ und darf dazu passende Eigenschaften erfinden – damit wird die Wut besprechbar und handhabbarer.
  • Kindergruppe in der Klinik: Jedes Kind gestaltet einen „Mut-Stein“; gemeinsam werden diese Steine als Gruppe zu einer Skulptur gelegt, was das Gruppengefühl stärkt.

Weitere Besonderheiten

  • Kunsttherapie mit Kindern arbeitet oft eng mit Eltern, Lehrkräften oder anderen Bezugspersonen zusammen – dabei bleibt jedoch der „Raum“ der Kinder geschützt und wird nicht übergriffig.
  • Materialien und Methoden werden dem Alter, Entwicklungsstand und den Interessen angepasst.

FAQ

  1. Was ist Kunsttherapie?

    Kunsttherapie ist eine therapeutische Methode, bei der kreative Techniken wie Malen, Zeichnen oder plastisches Gestalten eingesetzt werden, um emotionale, psychische oder soziale Probleme zu bearbeiten. Das künstlerische Tun hilft, Gefühle auszudrücken und unbewusste Prozesse sichtbar zu machen.

  2. Für wen eignet sich Kunsttherapie?

    Kunsttherapie eignet sich für Menschen jeden Alters, die psychische Belastungen wie Stress, Ängste, Depressionen oder Traumata verarbeiten möchten. Auch bei psychosomatischen Beschwerden, Entwicklungsstörungen oder in der Rehabilitation kann sie unterstützend eingesetzt werden.

  3. Ist künstlerisches Talent erforderlich?

    Für die Teilnahme an der Kunsttherapie sind keinerlei künstlerische Vorkenntnisse oder besondere Talente notwendig. Der kreative Ausdruck steht im Vordergrund, nicht das künstlerische Ergebnis. Jeder Mensch kann Kunsttherapie für sich nutzen, unabhängig von den eigenen Fähigkeiten.

  4. Wie läuft eine Kunsttherapie-Sitzung ab?

    Typischerweise beginnt eine Sitzung mit einem kurzen Gespräch, gefolgt von einer kreativen Arbeitsphase. Danach werden die entstandenen Werke gemeinsam betrachtet und besprochen. Die genaue Gestaltung richtet sich nach den Zielen und Bedürfnissen der Teilnehmenden.

  5. Welche Materialien werden eingesetzt?

    In der Kunsttherapie kommen vielfältige Materialien zum Einsatz, darunter Farben, Stifte, Ton, Papier, Collagematerial und Naturmaterialien. Die Auswahl erfolgt individuell und kann auch experimentell gestaltet sein, um unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten zu fördern.

  6. Welche Ziele verfolgt Kunsttherapie?

    Sie zielt darauf ab, emotionale und psychische Prozesse zu unterstützen, Selbstwahrnehmung und Selbstausdruck zu fördern sowie Bewältigungsstrategien für belastende Erfahrungen zu entwickeln. Sie kann Heilungsprozesse anstoßen und die Lebensqualität verbessern.

  7. Bei welchen Erkrankungen wird sie eingesetzt?

    Kunsttherapie wird oft bei Depressionen, Angststörungen, Traumafolgestörungen, Essstörungen, psychosomatischen Beschwerden sowie in der Suchttherapie und Onkologie angewendet. Sie ergänzt medizinische und psychotherapeutische Behandlungsformen.

  8. Gibt es Bedenken oder Risiken?

    In der Regel ist Kunsttherapie risikoarm. Da jedoch Gefühle und Erinnerungen aktiviert werden können, kann es auch zu vorübergehenden emotionalen Belastungen kommen. Eine qualifizierte therapeutische Begleitung sorgt für einen sicheren Rahmen.

  9. Wie lange dauert eine Kunsttherapie?

    Die Dauer variiert je nach persönlicher Situation und Behandlungszielen. Oft umfasst eine Kunsttherapie mehrere Wochen bis Monate, mit ein bis zwei Sitzungen pro Woche. Die genaue Dauer und Frequenz werden gemeinsam mit der Therapeutin oder dem Therapeuten vereinbart.

  10. Wer darf Kunsttherapie anbieten?

    Kunsttherapie wird von speziell ausgebildeten Kunsttherapeutinnen und Kunsttherapeuten angeboten, die ein entsprechendes Hochschulstudium oder eine anerkannte Ausbildung absolviert haben. Sie unterliegen meist einem Berufsverband und regelmäßiger Weiterbildung.


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