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Über diese Homepage

Was diese HP leisten soll

Die Rote Linien-Homepage soll vorrangig Informationen zum Thema SVV liefern und persönliche Kontakte ermöglichen. Es ist wichtig, Ratsuchende und Interessierte mit Informationen zu versorgen, denn Aufklärung über das Thema SVV ist Voraussetzung für das Verständnis für diese psychische Störung. Die zusammengetragenen Informationen sind breit gefächert und reichen von wissenschaftlichen Publikationen über Medienberichte und Adressen und Telefonnummern verschiedener Hilfsorganisationen bis hin zu persönlichen Lebensgeschichten, Gedichten und Bildern. Wie die "Pilot-Phase" der Seite gezeigt hat, nutzen viele Betroffene das Angebot. Der Austausch zwischen Angehörigen und Betroffenen tut beiden Seiten gut und fördert das Verständnis füreinander. Wer Kontakt zu anderen sucht, kann im Forum Beiträge erstellen, chatten oder e-Mails austauschen.
 
Die Webmasterin hofft weiter, dass die Rote Linien-Seite über den Kreis von Angehörigen und Betroffenen hinaus Aufklärung zum Thema SVV leisten kann. Es wäre hilfreich, wenn das Umfeld der Betroffenen, man denke da besonders an Freunde, Lehrer, Ärzte etc. über SVV (besser) aufgeklärt und damit in der Lage wäre, gleich von Anfang an angemessen auf SVV zu reagieren. Betroffene bräuchten sich nicht länger zu verstecken, aus Angst für verrückt gehalten zu werden. Stigmatisierung und soziale Isolation fielen weg. Der offenere Umgang mit Selbstverletzung gäbe außerdem die Chance, schon frühzeitig professionelle Hilfe anbieten zu können.

 

Die gesundheitspolitische Intention

Wünschenswert ist eine allgemeine gesundheitliche Aufklärung über SVV im Zusammenhang mit anderen psychischen Erkrankungen, mit denen SVV vorkommt, beispielsweise Depressionen, Essstörungen oder Borderline-Persönlichkeitsstörung. Auch Informationsveranstaltungen oder Projekte über Suchterkrankungen in Schulen, wie sie zum Thema Alkohol und illegale Drogen üblich sind, würden einen geeigneten Rahmen darstellen um über nicht-stoffliche Süchte wie SVV und Essstörungen (Anorexie, Bulimie, Adipositas) aufzuklären. Alle diese Probleme und Erkrankungen beginnen typischerweise in der (Vor-)Pubertät. Selbstverletzungen sind für viele Menschen sicherlich noch unverständlicher und rätselhafter als es beispielsweise Essstörungen sind. Warum tut sich ein Mensch absichtlich weh, wenn es ihm doch eigentlich gut geht? Es ist kaum zu verstehen, dass sich schätzungsweise ein Prozent der deutschen Bevölkerung selbstverletzt und dabei fast unbemerkt bleibt. Bei NAKOS, der nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen, läuft SVV unter "seltene Erkrankungen". Das ist angesichts von 800.000 Betroffenen kaum vorstellbar, spiegelt aber das gesundheitspolitische Interesse (nicht nur an SVV, sondern an allen psychischen Erkrankungen) wider. Die Betroffenen werden mit ihren zum Teil schweren Problemen alleine gelassen und sind oftmals erst dann fähig, nach professioneller Hilfe zu fragen, wenn die Lage eskaliert und lebensbedrohend geworden ist.
 
Selbstverletzungen können jede Familie treffen, nicht nur irgendwelche Randgruppen oder Kinder, die misshandelt oder sexuell missbraucht wurden. Aber gerade das zeigt, dass gesundheitliche Aufklärung Not tut, damit eine Sensibilität für solche Entwicklungsstörungen da ist. Gerade die jüngeren Jugendlichen sind kaum in der Lage bei diesem scham-besetzten Thema und in einer verzweifelten Lage von sich aus aktiv zu werden und einen Arzt oder Psychologen aufzusuchen. Die Angst, dass die Eltern über sie von ihrem SVV erfahren könnten, ist riesig. SVV-Internetseiten bieten ihnen eine scheinbare Alternative zur professionellen Hilfe, ein Ort an dem sie sich mitteilen können und wo man sie versteht. Dieser "Insider-Kreis" birgt natürlich auch eine große Gefahr, weil ihn Außenstehende nicht wahrnehmen und folglich nicht auf die bestehenden Probleme reagiert werden kann.
Da das Einstiegsalter typischerweise in der Pubertät liegt, sind die Jugendlichen oft nicht in der Lage sich selbständig Hilfe zu suchen, bzw. sind durch ihren Versicherungsstatus auch nicht berechtigt eine Therapie ohne Wissen der Eltern zu beginnen. SVV manifestiert sich aber mit der Zeit. Und es wird schwerer davon loszukommen, je älter die betroffenen Personen sind und je länger sie sich bereits verletzen. Es ist traurig, dass die Gesundheitspolitik Jugendliche mit ihren Problemen allein lässt und keinerlei Anstalten macht durch Prävention einer Suchtlaufbahn von 5, 10 oder mehr Jahren vorzubeugen.
 
Ich persönlich erwarte außerdem von der Politik, dass den psychisch Kranken bzw. Hilfsbedürftigen genügend Psychologen und Psychiater in der ambulanten Therapie, sowie Kliniken und Tageseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden. Die chronische Unterversorgung mit Therapeuten muss beseitigt werden. Der Numerus clausus im Fach Psychologie ist an den deutschen Universitäten so hoch angesetzt, dass das Studium nur wenigen möglich ist. Und die kausale Kopplung, dass aus einem Abiturienten mit gutem Abitur ein guter Psychotherapeut wird, ist sowieso fragwürdig. Die künstliche Ausbildungsbeschränkung halte ich angesichts fehlender Therapeuten für nicht angebracht. Mehr Wettbewerb auf diesem Gebiet käme mit Sicherheit den Patienten zugute. Ich meine, es kann nicht sein, dass ein Mensch in einer psychischen Notsituation bei einem niedergelassenen Psychologen mit einer Wartezeit von teilweise mehr als einem halben Jahr rechnen muss. Bei Kinder- und Jugendpsychologen - etwa die Hälfte der SVVler ist minderjährig! - kommt hinzu, dass es nur wenige gibt und sie deshalb oftmals nicht im Einzugsbereich liegen. Bei körperlichen Erkrankungen würde man diese Unterversorgung niemandem zumuten. Aber psychisch erkrankte Menschen wehren sich in der Regel nicht.
Bei Kliniken sieht es nicht besser aus: Auch hier gibt es lange Wartezeiten und nicht immer sind sie auf das Krankheitsbild eingerichtet. Als Extrem möchte ich auf die auf SVV und Traumatisierung spezialisierte Abteilung des NLKH Göttingen hinweisen, wo die Wartezeit zur Probeaufnahme zwei Jahre! beträgt. Zum Teil weigern sich Kliniken wegen Überbelegung Notfälle aufzunehmen.
Das sollte doch zu denken geben!

 

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