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ChAoS

BlAcKbEaSt, 20 w

Ich steh nicht mit beiden Beinen fest im Leben, dafür aber mit einem wackligen Bein, welches mich schon weit gebracht hat, jedenfalls weiter als ich gedacht habe.
 
Ein fröhliches & aufgeschlossenes Kind war ich, sehr neugierig auf die Welt da draußen & was ich als nächstes anstellen kann. Meine Eltern waren glücklich & stolz auf mich.
Jeden Tag war ich unterwegs, spielte mit Kindern in meinem Alter & lernte viele unterschiedliche Menschen kennen. Es waren sehr nette Menschen, aber einer war darunter, der sehr komisch zu mir war. Was genau mir da geschehen ist, verstand ich erst viel später.
In der Zwischenzeit wurde ich eingeschult, eine sehr spannende Zeit begann.
Die ersten Jahre in der Schule waren anscheinend keine Erinnerung wert, denn ich weiß nicht mehr all zu viel davon. Doch dann setzt meine Erinnerung schlagartig wieder ein, ich bin hässlich, allein, niemand is da der mich beschützt oder mir in irgendeine Art & Weise hilft.
Heute weiß ich das es extremes Mobbing war, es sollte jahrelang so weitergehen. Eine Mutter von einer guten Freundin von mir fragte mich nach Jahren, was in der Grundschule geschehen sei, sie hätte einmal ihre Tochter von der Schule abgeholt, die im gleichen Ort wohnt & ich hätte kniend vor ihr gehockt & mit Tränen in den Augen gefleht damit sie mich mitnimmt.(daran kann ich mich nicht mehr genau erinnern.)
Ich wollte nicht in den Bus einsteigen, dort warteten Schüler höherer Klassen & auch Mitschüler aus meiner damaligen Schule stiegen in den Bus. Es war keine lange Busfahrt, aber mir kam es immer wie eine Ewigkeit vor.
Es ist so viel passiert in der Zeit, ich habe vieles aus meiner Erinnerung gelöscht. Das ich mein Taschengeld meistens dafür verwendete, dass ich wenigestens einmal in Ruhe gelassen werde, wissen meine Eltern bis heute nicht. Einmal musste ich einen riesen Umweg von der Bushaltestelle nehmen, ich kann mich daran genau erinnern, ich sah ein Messer vor meinen Augen & bekam eine Drohung an den Kopf geschmissen.Ich versuchte so schnell wie möglich zu verschwinden, rannte los.
Kam total verspätet zu Hause an, meine Eltern hatten mit der Schule telefoniert & machten sich Sorgen. Nun war ich da & bekam auch noch Ärger dafür. Ich erzählte ihnen was geschehen ist, sie schauten mich an und gaben mir den Tip, ich solle das alles ignorieren. Es sei bestimmt nicht so schlimm und es würde von selber aufhören.
Der Kerl mit dem Messer wurde Jahre später wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, Ich bin froh, dass ich ihm zu dieser Zeit nicht über den Weg gelaufen bin. Die Grundschulzeit neigte sich dem Ende zu, ich bin auf eine andere (höhere) Schule als, ich nenne sie mal X & Y (die beste Freunde waren) gegangen, nicht weil ich dafür geeignet war (gut war ich verständlicher Weise nicht in der Schule), sondern um ihnen aus dem Weg zu gehen. Ich hatte Angst vor den neuen Mitschülern, fand aber erst relativ gut Anschluß in der Klasse, lernte viele nette Menschen kennen.Doch zu viel Kontakt mochte ich nicht.
Der Alptraum mit den beiden Jungs fand kein Ende, ich war viel zu Haus, was meine Mutter total komisch fand. Sie schickte mich raus, als ein Mädchen, die auch in diesem Ort lebte vor der Tür stand & nach mir fragte.Ich nenne sie hier mal Q, sie war nicht an mir interessiert.
Ich weiß nicht wie oft ich auf sie reingefallen bin, denn meistens, wenn sie mich abholte, warteten die Jungs auf mich in irgendeiner Ecke versteckt. Jedesmal wurde ich so lang beleidigt oder wie auch immer, bis ich in Tränen ausbrach & eigentlich nur noch allein sein wollt, doch einfach nach Hause gehen war nicht drin.
Ich weiß bis heute nicht warum ich immer wieder raus gegangen bin, ok sie versprachen sich zu ändern, aber daran geglaubt, doch ich war naiv. X & Y zerstritten sich. mit Y hatte ich dann nix mehr zu tun, nie mehr.
X jedoch wurde zu einem großen Problem, er benutzte mich & erpresste mich mit Sachen, an denen ich kein Interesse hatte. Aber ich war naiv & hatte keine eigene Meinung (vor allem nicht bei ihm). Es passierte, wenn er es wollte.
Es ging 1-2 Jahre so, ich weiß es nicht mehr genau, meine Erinnerung daran ist lückenhaft. Ich weiß wie es endete, ich erzählte es Q, sie spielte mir etwas vor, sie rannte danach sofort zu X um ihm zu berichten, was ich ihr erzählt habe. Ich war im Wald, da dort alles so friedlich ist und hatte mein Handy dabei, er rief mich an & drohte mir, ich solle aufhören mit den Lügen & ich sollte das Alles klarstellen.
Sonst würde mir werweißwas blühen, er würde meinen Eltern erzählen, dass ich mir heimlich ein Handy besorgt habe. Ich habe ihm gesagt, dass ich mich nun umbringen werde & machte mein Handy aus. Ich wollte es, aber ich hatte keine Mittel um das durchzuziehen.
Ich ging schnell nach Hause & spielte die normale Tochter.
In der Woche bin ich mehrmals mitten im Unterricht "zur Toilette" gegangen, ich wollte mich die Treppen herunter stürzen oder aus dem Fenster springen. Ich konnte es nicht, ich weiß nicht warum, im Endeffekt bin ich so froh darüber, dass es nie jemand bemerkt hat. Zu dieser Zeit hatte ich auch immer ein Messer im Schrank, damit ich immer die Gewissheit hatte, jederzeit Schluß machen zu können. In der nächsten Zeit musste ich allen erzählen, dass ich gelogen hatte, was ich Q erzählt habe. Die Lage entspannte sich. In der Schule war ich eine grottenschlechte Schülerin, ich sollte auf jedenfall auf eine andere Schule gehen (da wo meine Feinde waren), ich konnte Nachts nicht mehr schlafen.
Irgendwann kam ein Anruf der Schule, sie wären bereit mir eine zweite Chance zu geben, ich durfte bleiben. Das 7. Schuljahr musste ich wiederholen, nach einer versemmelten Zusatzprüfung, ich kam in die Klasse von Q. Ich habe mich in einem Jahr total verändert, ich blühte auf, wurde akzeptiert, meine Noten wurde besser. Q ging hinterher auf eine andere Schule, da sie nicht mehr mitkam mit dem Stoff in der Schule. Ich fand Freunde, spielte oft den Clown & ich entdeckte eine ganz andere Welt.
Das hielt ca. 1,5 Jahre an, der Terror im Ort ging immer weiter, in abgeschwächter Form. Im 9. Schuljahr kam Z in meine Klasse, wir mochten uns auf Anhieb, wir lernten uns richtig kennen & verbrachten jede freie Minute miteinander. Nur am Wochenende, wenn andere Jugendliche feiern gingen, war ich zu Haus, allein. Z war eine Partymaus und hatte einen Freund.
Ich hasste & hasse Massenansammlungen von Gleichaltrigen & ein Freund war / ist unvorstellbar für mich. Wir machten viel Scheiß, gegen beinah jede Regel der Schule haben wir verstoßen, schwänzten den Unterricht, lieferten uns einen Wettbewerb in den schlechtesten Noten der Klasse.
Ich war 16 als ich mich zum ersten mal selber verletzt habe, ich baute einen Anspitzer auseinander und schnitt mir öberflächlich in den Arm. Ich fühlte etwas, es war eine Befreiung von einer quälenden Leere und es gehörte mir allein. Ich wurde untragbar für die Schule, meine Eltern waren stinksauer auf mich.
Ein Schulwechsel stand bevor, ich hatte Angst.
Aber ich hatte ja nun ein Mittel gegen unerwünschte Gefühle, es ahtete aus mit den Verletzungen. Meine Eltern bemerkten es durch einen Zufall. Sie waren sehr enttäuscht & wütend auf mich. Sie schleppten mich zu einer Beratungsstelle, eine sehr nette Dame hat mich beraten, sie war sehr verständnisvoll, aber zu diesem Zeitpunkt, hatte ich nicht vor mit dem cutten aufzuhören.
Es war doch etwas positives für mich.
Sie suchte mit mir eine passende Therapie, oder besser gesagt mit meiner Mutter. Meine Mutter tat mir in der Zeit total leid, die Dame der Beratungsstelle versuchte zwischen meiner Mutter & mir zu vermitteln. Was heute noch total zwecklos ist.
Es war unerträglich für mich mir anhören zu müssen, dass meine Mutter mich liebt & sich um mich sorgt. Das verlangte die Dame von meiner Mutter. Mein Vater hielt sich da total raus, er machte bloß miese Bemerkungen über mich in meinem Beisein. Meine Eltern sind dann mit meinem Bruder in den Urlaub gefahren, für 2 Wochen war ich allein zu Haus. Ich veranstaltete eine Party, es war wunderschön, ich lud Leute ein, die ich mochte. X hatte sich bei mir eingeschleimt & wir verstanden uns gut, wenn ich all das vergangene vergaß. Q hatte Streit mit allen und kam einen Tag vor der Party zu mir nach Haus, ich ließ sie rein, sie entschuldigte sich für alles.Es war nun alles ok. Als X davon erfuhr, flippte er aus, er kam nicht zur Party und war sauer auf mich wegen Q, dass sie da war. X holte sich Helfer und währrend wir die Party feierten, machte er eine riesen Sauerei an die Hausfassade. Meine Eltern waren sauer auf mich, da es meine Schuld gewesen sein sollte, ich sollte mich auch nicht mehr auf die Leute im Ort einlassen. Die Schnitte an meinen Armen wurden immer heftiger.
 
Ich ging auf eine Berufsschule, fing eine Therapie an (nach mehreren Versuchen) & alles lief auf einmal blendend. Ich zeigte mich Selbstbewusst & war beliebt, ich habe viele Freunde gefunden, wurde Klassenbeste. Ich lernte M kennen, sie wurde zu einer Freundin.
Sie hatte einen Freund, mit dem ich mich auch gut verstand & eine eigene Wohnung.
Ich blieb nach der Schule immer bei ihr, hatten super viel Spaß & ich war kaum noch zu Hause.
Ich blieb ganze Wochen bei ihr, zum Wäsche waschen kam ich nach Hause. Mit den Leuten im Ort hatte ich nix mehr zu tun.
Auch mit A habe ich viel unternommen, sie hat es sogar mal geschafft mich in eine Tanzbar zu schleppen, & dort sprach mich sogar mal ein Typ an, ich fand ihn sehr aufdringlich, aber irgendwie lieb. Er bekam meine Nummer und er meldete sich oft bei mir, er kam zu mir und ich fuhr mit ihm zu ihm in seine Wohnung. Es war alles gut, er war total lieb.Er wollte kuscheln, er kam mir zu nah, ich bekam Panik, wollte weg. Nein er hat nix schlimmes gemacht, er nicht, die Erinnerungen kamen alle wieder hoch & mir wurde bewusst, dass ich niemals einen Freund haben kann. Die Therapie brach ich nach 8 Sitzungen ab, ok für die Therapeutin war es kein Abbruch, ich erzählte ihr immer das was sie hören wollte & sie gab sich damit zufrieden, verstanden hatte sie mich sowieso nicht. Nach einem Jahr ging ich in einen höheren Kurs & der Kontakt zu M ließ nach. Ich war gut in der Schule, holte alle Abschlüsse nach. Im Kurs lernte ich dann K kennen, sie hatte irgendetwas besonderes an sich, ich mochte sie auf Anhieb. Wir trafen uns immer öfter, auch sie hatte schon einen Freund.
Ich verstand mich mit beiden super.
Ich verletzte mich tiefer & es wurde langsam für mich selber zu einem Problem, es war eine Sucht geworden. Das Rauchen habe ich auch begonnen (schon zu Ms Zeiten) & seitdem nicht mehr aufgeben können. K & mir wurde langsam bewusst, dass wir uns sehr ähnlich waren, manchmal waren wir uns zu ähnlich.Wir dachten / denken im gleichen Moment das selbe oder sagen es, das ist echt unheimlich.
Uns verbindet im gewissen Rahmen ein ähnliches Schicksal.
Ich wollte ihr helfen, da sie in Gefahr war und schleifte sie zu der Beratungsstelle, wo ich auch beraten wurde, ebenfalls zu der gleichen Dame. Sie versuchte zu helfen.
K. war "ungewollt" schwanger.Wir redeten viel über uns.
X Verfolgte mich wo es nur ging, tausend Anrufe in Abwesenheit hatte ich täglich auf meinem Handy.
Mir ging es zu der Zeit sehr miserabel, ich konnte mich kaum noch ertragen.
Eines Abends nahm ich eine Überdosis Schlaftabletten und berichtete K davon, sie war sauer & konnte aber nichts machen. Ich weiß nicht ob ich sterben wollte, nein dazu war es eine zu geringe Dosis, das wusste K. Ich wachte am nächsten Morgen etwas benommen auf (ich hatte einen sehr lauten Wecker) & ging "normal" zu Schule. Meine Eltern haben kaum etwas bemerkt, bloß das ich etwas am "Lallen" war, aber das lässt sich ja leicht erklären. Die Erinnerung an diesen Tag ist sehr sperrlich, K. & ich schwänzten die Schule, in solch einem Zustand ist es besser gewesen nicht zur Schule zu gehen. Wir liefen in der Stadt rum, ich kann mich nur noch an Bruchstücke erinnern, K. rief die Beratungsstelle an & wollte die Dame, die sich um sie kümmerte sprechen, sie war nicht da.
Dann ging sie zu ihrem Hausarzt, währrend ich neben einer Apotheke stand und kotzte, sie fragte ihn, was sie jetzt machen solle. Es endete darin, dass sie mich weg schickte, ich solle gehen oder mit ihr ins Krankenhaus kommen. Ich wählte den einfacheren Weg & ging fort. Ich kann mich nur noch daran erinnern, dass ich in der Stadt saß & Zigaretten auf meinem Arm ausdrückte, dann bin ich mit dem Bus gefahren, saß dann im Wald und habe ein Blutbad angerichtet.
Irgendwann bin ich dann zu Hause gewesen.
Am Abend, als es mir etwas besser ging bin ich nochmal zu K. gefahren, sie tat mir so leid, dass sie das mitansehen musste, wie ich drauf war. Ich erzählte ihr nichts von dem Blutbad, jedoch hatte ich so dermaßen tief geschnitten, dass es durch den Verband & die Kleidung blutete & sie es sah. Sie war sauer & sagte mir sie würde mir auch mal zeigen, wie es ist Angst um einen Menschen zu haben. Ich war an dem Tag so dankbar, dass es alles meinen Eltern verborgen blieb und sie bis heute nichts von all dem ahnen. K. machte ihre Drohung wahr, es endete darin, dass die Polizei sie an einem Tag suchte(da die Dame von der Beratungsstelle sie alarmiert hatte). Sie lebte & es war nur eine leere Drohung.
 
Unsere Freundschaft war so dermaßen intensiv, wir erdrückten uns, wenn wir beieinander waren & wir vermissten uns, wenn wir nicht zusammen waren. Nach dem Jahr Schule habe ich eine Ausbildung angefangen, sie hat ihr Kind bekommen. Ein halbes Jahr haben wir den Kontakt verloren.
Ich versuchte mit dem cutten aufzuhören, es ging, aber nur da ich den Druck hatte, ansonsten in der Probezeit zu fliegen & das konnte ich mir nicht leisten, ich hatte so um diese Stelle gekämpft. Dafür bin ich zu Hause immer öfter "ausgerauscht", habe Gegenstände kaputt geschmissen & bin heulend zusammen gebrochen.
Meine Eltern haben von all dem das wenigste mitbekommen.
X ließ mich endlich in Ruhe, nachdem er es nochmal, diesmal erfolglos probiert hatte an mich zu kommen.Dieser Alptraum ist nun endlich vorbei. K. lief mir irgendwann zufällig über den Weg, wir tauschten Nummern aus & wollten uns wieder treffen. Wir trafen uns, wir verstanden uns prima und tun es auch heute noch. Ich bin so froh, dass wir uns wieder gesehen haben.
Haben den größten Spaß, wenn wir zusammen sind, andererseits können wir uns auch tierisch runterziehen.
Es ist eine einmalige Freundschaft die uns verbindet.
Trotz alle dem, wurde mir bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Mein Körper ist ein Schlachtfeld, meine Wutausbrüche unerträglich & die Angst vor Menschen, lässt mich zittern.
Seit kurzer Zeit habe ich eine Therapie angefangen, freiwillig und ich werde sie ernsthaft durchziehen.
Ich bin heute 20 Jahre alt & führe von außen gesehen ein geordnetes Leben, jedoch ist es bei näherer Betrachtung ein riesen großes Chaos, welches ich nicht allein beseitigen kann.
 
Das angespannte Verhältnis zu meiner Mutter ist heute noch ein großes Problem, sie fragt mich manchmal, was sie denn falsch gemacht habe. Sie hat nichts falsch gemacht, ich hätte mir gewünscht, dass sie mich mal ernsthaft gefragt hätte, was geschehen ist oder ob sie mir helfen kann. Es ist zu spät dafür, aber ein bisschen mehr Verständnis auf beiden Seiten wäre bitter nötig gewesen.
 
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15.09.2006
 
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