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LET IT BLEED
Niemand, 14 Jahre
Vor dem ersten Schnitt habe ich immer Bammel, keine Ahnung warum, aber wenn der vollbracht ist, kann ich es nur noch genießen…
Für mich und meine Freundin ist es ganz normal, wenn der Arm voller Schnitte ist. Früher hat sich meine Freundin auch geritzt, aber sie
hat es geschafft damit aufzuhören. Warum wohl? Ganz klar, es gibt so blöde Kreaturen, die man Eltern nennt und die einem drohen mit einem
Psychiater, denn ich schon am Hals habe. Meine Freundin hält mich nicht vor dem Ritzen ab, denn wie schon gesagt, für uns ist das was ganz
normales. Nur mein bester Kolleg, der sich auch schon geritzt hatte und auch damit aufgehört hatte, möchte mich gerne davon abhalten. Dann
habe ich noch dämliche Eltern, die mich entweder für bekloppt halten oder einen auf Mitleid machen, ganz nach Stimmung. Ich hasse Mitleid!
Ätzend! Am schlimmsten ist das schleimerische Getue meiner Lehrerin, der ich es wegen des Sportunterrichtes gesagt habe. Die schlimmsten
Kreaturen sind sowieso die Eltern. „Ach wir waren auch mal jung, wir kennen diese Tiefs, das Ritzen ist doch nur pubertärisches Experimentieren,
das geht schon vorbei“, meinten sie. Ich konnte ihnen das erst klar machen, dass das nicht dem ist, als ich mir einen Tablettenmix aus
zehn Schlaftabletten, eine Packung Grippemittel und Desinfektionsmittel von 70% Alk zubereitete und mich damit zugedröhnt hatte.
Oho, mein Kind braucht Hilfe! Alles fing schon lange vorher an. Meine Mutter war früher durchgehend besoffen und stritt sich immer mit
meinem Vater, doch ich verstand das nicht, ich war noch zu klein. Jahrelang durfte ich widerliche Bilder meiner besoffenen Mutter anschauen.
Nun, ist meine Mutter mehr oder weniger weg von der Flasche. Dann aber sackte ich in der Schule total ab und war in der Schule bei meinen
Mitschülern immer das seltsame, verschlossene Mädchen. Ich hasste mich dafür, dass ich so tickte. Ich habe zwar schon meine Freundinnen, die
aber den gleichen Ruf haben wie ich, heute ist es nicht mehr so schlimm, aber da war es noch schlimm. Also ich sank tief in der Schule, vergrub
mich immer in mein Zimmer und hörte meine Deprimusik und wollte verdammt nochmals, weg von dieser Scheissrealität. Als ich dann eines Tages
Streit mit meiner Mutter hatte, griff ich zu dem Küchenmesser und schnitt in meinen Arm. Es tat weh, aber es war schön. Und das war der Beginn
der Geschichte und seit da an, verging kein einziger Tag, an dem ich mich nicht schnitt, dazu fing ich an zu hungern und wog dann schlussendlich
42kg bei einer Größe von 167cm, aber ich tat meinen Eltern schlussendlich denn Gefallen, mit dem hungern aufzuhören, aber mit dem Ritzen konnte
ich nicht aufhören. Meine Freundin fand es heraus und zeigte mir unerwartet ihren Arm. Was sah ich? Fünf lange Schnitte über ihren Unterarm. Wie
schon gesagt, ihre Eltern fanden es heraus und seit da an ist sie mehr oder weniger clean. Tag ein Tag aus verging. Mit meinen Eltern hatte ich
Streit, weil sie es bei mir raus gefunden hatten. Ich versprach ihnen, damit aufzuhören. Wie lange hielt ich das Versprechen? Einen Tag? Auf
jeden Fall ging es mir beschießen wie nie und machte nach Außen, das fröhliche Mädchen und wenn ich alleine war vergrub ich mich heulend in mein
Zimmer und dachte an Selbstmord.
WUMM! Eine Freundin von mir ist schwer magersüchtig, meine Lehrerin sprach mit meinen Eltern über mich und wollte mich zu dem Schulpsychologen
schicken, ein Kolleg erzählte mir von seiner SVVgeschichte, von der ich nichts geahnt hatte als ich ihm das von mir erzählte, mit meinen Eltern
hatte ich Streit, weil sie mich für bekloppt hielten. Mir wurde alles zu viel, dann dröhnte ich mich zu mit den Tabletten. Nun besorgt mir meine
Ärztin einen Psychiater. Aber aufhören mit dem Ritzen ist viel zu schwer, dafür liebe ich es zu fest. Es ist so schön, wenn das Blut aus den tiefen
Schnitten kullert und sich auf meinem Schreibtisch eine Blutpfütze bildet. Es ist so schön erleichternd. Klar, ich hasse den Druck, jeden Tag
in die Schule zu gehen und dafür zu sorgen, dass es niemand erfährt, aber das ist es mir wert und so blöd es klingen mag, ich liebe meinen
vernarbten Arm und meine vernarbten Beine. Ich brauche das Ritzen um meine Gefühle, die ich nicht verstehe, zu verkraften und vielleicht werde ich
es doch mit dem pubertärischen Experimentieren aufhören.
Danke!
12.12.05
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