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Meine Seele schreit nach Erlösung
Tina, 14 Jahre
Hallo, ich heiße Tina, bin weiblich und 14 Jahre alt. Ich habe ein wenig im Internet gesurft, und da habe
diese Seite gefunden.
Also, ich verfasse mal meine Lebensgeschichte...
Mein Leid hat eigendlich schon ab meiner Geburt angefangen, doch ich habe es erst später bemerkt.Meine Eltern
haben mich noch nie richtig geliebt, zumindest habe ich nie etwas von ihrer Liebe gespürt.
Als ich eingeschult wurde, gehörte ich zu den Jüngsten, doch eigendlich hatte ich mir viele Menschen zu Freunden
machen können. Doch ich lebte und lebe noch immer in einer verrufenen Gegend, in der man häufig auf brutalste Weise
gemobbt wird. Wenn man nicht gerade zu den Coolsten gehört, kommt man am Mobbing nicht vorbei. Doch als ich ca. 6
Jahre alt war, war es sehr schlimm für mich. Ich hatte eine 2 Jahre ältere Freundin, die mich nur kommandierte und
erniedrigte. Ich fühlte mich unwohl in ihrer Anwesenheit, doch ich zeigte es niemandem. Ich verbarg meine Gefühle
früher immer aus Angst, ich würde meine "Freunde" dadurch verlieren. Dann kam eine Neue in unsere Klasse, die zu meiner
besten Freundin wurde. Die, die 2 Jahre älter war, hatte sich sowiso nicht mehr für mich interessiert, weil sie wohl
endlich einsah, dass sie nicht ständig mit Kleinkindern rumhängen sollte. Jedenfalls war meine neue beste Freundin auch
nicht viel besser. Wir trafen uns täglich, doch ich wollte eigendlich nie. Sie gab mir Befehle, wenn ich diese nicht
ausführe, so sagte sie, sei ich nicht mehr ihre Freundin. Diese Drohung tat weh und setzte mich unter Druck, deshalb
tat ich alles, was sie verlangte. Als ich 9 Jahre alt und in der 4. Klasse war, änderte sich alles. Sie hatte mich mal
wieder übelst hinetrgangen, weswegen ich großen Ärger von meiner Mutter bekam. Ich wurde "gezwungen" länger draußen zu
bleiben, obwohl meine Mutter mich schon einmal angerufen hatte, um mir zu sagen, ich solle nach Hause kommen. An diesem
Tag nahm ich mir vor, mir NICHTS mehr gefallen zu lassen...von nichts und niemandem mehr. Als ich dies in die Tat
umsetzte, war ich meine "Freundin" auch sehr schnell los, worüber ich ehrlich gesagt auch sehr froh war. In meinem 9.
Lebensjahr erfuhr ich aber auch sehr schnell, was in meiner Familie eigendlich abging.
Mein Vater hat die schlechte Eigenschaft über den Durst zu trinken. Er tat es öfter, doch als ich jünger war, machte
ich mir nie etwas daraus. Doch als ich mit meinem Bruder im Zimmer Fern sah, hörte ich plötzlich Geschrei aus dem
Wohnzimmer. Ich kannte es...ich wusste, jetzt würde es wieder anfangen. Mein Vater tat es immer, wenn er besoffen war.
Er schrie meine Mutter wegen irgendwelchem Mist an, beschuldigte sie wegen Sachen, die nicht stimmten. Oft nahm er
irgendwelche Sachen aus der Wohnung auseinander. Doch selten schlug er auch meine Mutter. Es lief so eigendlich schon
seit immer ab, schon, als ich noch gar nicht geboren war. Er schlug auch oft meinen Bruder, und meist war ICH daran
Schuld. Mein Bruder ärgerte mich immer und das petzte ich meinem Vater...der schlug ihn dann... Ich fing immer an
deshalb zu heulen, weil ich mich schuldig fühlte. Ich war es schließlich auch.
Als ich 10 Jahre alt war und die 5. Klasse und neue Freunde immer näher rückten, war mein Leben auch nicht das Wahre.
Ich hatte nur eine Freundin kennen gelernt aus dem PC-Kurs meiner Schule. Mit ihr unternahm ich gerne etwas, ich fühlte
mich einfach gut, wenn ich mit ihr unterwegs war. Doch zu Hause fingt auch wieder der Krach an. An einem Tag war es
besonders schlimm. Mein Vater trank mal wieder viel und erfand irgendeine Lügengeschichte, die er an meine Mutter
richtete. Es war schon etwas spät,22.00 Uhr, oder so. Mein Vater fing natürlich wieder mit schreien an. Doch dieses Mal
war es schlimmer...er drosch regelrecht auf meine Mutter ein, sodass sie blutete! Er schleifte sie an den Haaren den
Boden entlang und schlug ihr ins Gesicht...wieder und wieder!
Sie rief vergeblich um Hilfe, aber was sollte ich tun?? Ich hatte Angst, früher hing ich an meinem Leben und ich wollte
es nicht für eine Person auf`s Spiel setzen, die mich nicht wirklich liebte. Mein Bruder griff dann aber ein und
irgendwann beruhigte sich mein Vater.
Nach diesem Erlebnis endete für eine kurze Weile meine Pechsträhne.
Ich kam auf eine neue Schule, ein Gymnasium. Ich setzte mich neben ein vietnamesisches Mädchen, mit der ich mich sofort
gut verstand. Doch ich hielt mich auf der neuen Schule meist nur mit dem Mädchen auf, die ich auch aus der Grundschule
kannte. Leider hatte diese mich nur genervt und war nunmal einfach nicht das Wahre. Ende der 5. Klasse freundete ich
mich mit dem viernamesischen Mädchen und deren beste Freundin sehr gut an. Wir teilten die gemeinsame Leidenschaft der
japanischen Kunst (Anime und Manga) und ansonsten hatten wir auch genug gemeinsam. Ich hatte auch noch meine andere
Freundin, mit der ich in der 4. Klasse viel unternahm und das immer noch tat. Sie und meine beiden anderen Freundinnen
waren meine besten.
In meiner Familie lief es eigendlich einigermaßen gut...bis die 5. Klasse zu Ende war...Ich war ca. 11 1/2 Jahre alt,
da sollte sich mein Leben wohl verändern.
Meine Mutter hatte einen PC-Fachmann nach Hause bestellt, weil wir Probleme mit unseren Computer hatten. Dieser war
sehr nett und wir mussten auch nur den halben Preis bezahlen. Natürlich entging das meinem Vater nicht und beschuldigte
meine Mutter, sie hätte was mit dem PC-Mann. Als das wieder anfing, flüchtete ich in mein Zimmer, wie ich es sonst
auch immer tat. Es ging wieder los mit dem Gebrüll...doch dieses Mal war mein Bruder nicht da um meiner Mutter zu helfen.
Ich wollte ihr gar nicht helfen, denn sie war nie wirklich für mich da. Sie stritten sich eine ganze Weile, mein Vater
warf sogar diverse Gegenstände nach meiner Mutter. Ich hielt es nicht mehr aus...dieses gottverdammte Gefühl der
Hilflosigkeit. Ich ging ins Wohnzimmer, sah meinen Vater und meine Mutter an...ich konnte nicht fassen, was ich da
sagte, doch jetzt begreife ich, es war mein Ernst. Ich sagte "ich hasse euch!! Euch beide, ich will euch nie wieder
sehen!!" Doch sie machten sich nichts aus meinen Worten. Gar nichts...ich fühlte mich so betrogen. Später kam die
Polizei, weil meine Mutter angerufen hatte. Als die dann wieder weg war und sich alle wieder beruhigt hatten, weinte
ich noch die ganze Nacht. Ich war zwar noch nie gläubig gewesen, doch ich betete zu Gott, in der Hoffnung, alles
würde wieder gut werden. Doch dann wurde mir klar: "es kann nicht`s gut werden, es gibt kein Glück, es gibt keinen
Gott!" Also ging ich ins Bad...ich öffnete den Schrank und sah die Nagelschere. Ich nahm sie, setzte mich auf den
Boden, mit zitternder Hand die Scherenspitze auf meinen linken Arm richtend... und ich tat es. Ich fuhr mir den Arm
entlang...ich presste so feste, wie mein Mut es mir zugelassen hatte...doch ich war noch klein und hatte große Angst.
Deshalb schaffte ich es nicht so tief, bis es bluten konnte. Seit diesem Tag hatte ich es eine ganze Weile nie wieder
getan.
Eines Tages erzählte mir meine Mutter mal etwas über meinen Vater. Es schockte mich sehr! Meine Mutter hat noch andere
Kinder zur Welt gebracht, außer meinen Bruder und mich. Es sind jedoch nur Halbgeschwister von einem anderen Mann und
ich kenne sie nicht. Sie sind abgehauen, weil sie keine Lust mehr auf meinen Vater hatten. Mein Vater schlug meine
Mutter schon sehr oft. Und meine Bruder auch, sogar, als er noch ein Baby war. Wenn er nacht`s keine Ruhe gab, ging
er zum Kinderbett und drosch auf ihm ein! Dieser elende Mistkerl, wie konnte er sowas tun? An Weihnachten trank er viel,
drehte durch, zerstörte den Weihnachtsbaum, schrie meinen Bruder an, der noch sehr klein war, schug meine Mutter!
Diese ging darauf ins Frauenhaus...an Weihnachten...ich bin froh, dass ich da noch nicht auf der Welt war.
Weihnachten tut mir immer noch weh. Vorletztes Weihnachten machte ich bei dem Grippenspiel mit. Ich fragte meine Mutter,
ob sie kommen kann um mir zuzusehen und sie sagte, sie könne ja kommen. Doch als ich dann oben am Altar stand
überblickte ich den Raum mit den Insassen. Nirgenswo fand ich meine Mutter...sie war nicht gekommen. Ich musste mir
die Tränen unterdrücken, es würde ja komisch aussehen, wenn ich während meines Auftrittes heulen würde. Als es zu Ende
war kamen die Eltern meiner Freunde, schlossen sie in die Arme, küssten sie, sagten ihnen, wie toll sie waren. Das
tat mir so weh, ich wollte nur noch weg. Auf dem Heimweg weinte ich. Als ich zu Hause ankam, fragte ich meine Mutter,
warum sie nicht gekommen ist. Die sagte nur, sie hatte zu viel zu tun. Toll und das geschah mal wieder an Heilig
Abend, dem Fest der Liebe! Für mich wohl eher das Fest des Leidens.
In der 7. Klasse wurde ich von meiner einen Freundin im Stich gelassen. Sie hatte eine beste Freundin gefunden...
eigendlich nichts schlimmes, doch durch sie ließ sie mich komplett zurück. Ich hatte aber immer noch meine beiden
anderen Freundinnen. Ich war NOCH nicht allein. Meine Noten verschlechterten sich, ich wäre fast nicht in die 8.
versetzt worden, doch ich schaffte es irgendwie. In der 8. Klasse, mein heutiger Standpunkt, wurde alles am schlimmsten.
Eine meiner beiden Freundinnen zog weg...sie war inzwischen meine beste geworden. Ich war so einsam ohne sie...meine
Noten wurden noch schlechter und ich versank in Depressionen. Ich hatte kein Selbstbewusstsein mehr, ich hasste mich
und die Welt auf der ich lebte. Meine Klasse begann mich auch zu hassen, wahrscheinlich gerade weil ich so schlecht
in der Schule wurde und sie nichts mit "Dummen" zu tun haben wollten.
Dann war da noch die schäusliche Skifreizeit mit der Schule...Ende des 1. Halbjahres. Es war der pure Horror, es war
stressig und wir hatten keine Freizeit. Alle Leute heulten sich bei mir aus wegen ihren kindlichen Problemen, die in
meinen Augen keine Probleme waren. Ich konnte nicht mehr. Ich verschloss mich im Bad und heulte wie eine Bescheuerte,
wegen was auch immer. Wahrscheinlich hatte ich Heimweh. Als es dann endlich wieder nach Hause ging, und wir ankamen,
kamen plötzlich die Eltern meiner Freundin und umarmten mich!! Ich war geschockt, warum taten sie das denn? Ich fand
es aber irgendwie toll, denn in meinem ganzen Leben wurde ich noch nie von einem Erwachsenen umarmt. Als ich nach
Hause kam, freute ich mich irgendwie, meine Eltenr zu sehen. Ich erhoffte mir, sie hätten mich auch vermisst. Doch...
mehr als ein "Hallo" bekam ich nicht zu hören. Ich war traurig. Sie liebten mich nicht, jetzt war ich mir entgültig
sicher.
Die Probleme häuften sich zu eine, großen Stück, mit diesem ich nicht mehr klar kam. Meine Seele und mein Herz
schmerzten, doch ich verbarg es hinter eine glücklichen Maske...Alle dachten, ich wäre nur depri wegen der Schule,
doch ich hatte andere Probleme, die ich niemandem sagte. Ich war allein, ich hatte keine Vertrauensperson. Irgendwann
hielt ich es nicht mehr aus. Ich ging wie vor ca. 2 1/2 Jahren, ins Bad und suchte nach scharfen Gegenständen. Ich
hatte viele an mir ausprobiert, doch es blutete einfach nicht! Ich wurde beinahe wahnsinnig, doch da fand ich die
Rasierklingen meines Vaters. Ich fuhr mit diesen langsam meinen Arm entlang...erst schälte ich nur die Haut, dann tat
ich es weiter, bis es blutete. Es tat nicht weh, es erlöste mich.
Dies ist nun eine Woche her und ich habe es täglich getan. Mal unter Tränen, mal auch ohne. Ich komme nicht mehr von
dem SVV weg, es ist ein Teil meines beschissenen Lebens geworden. Es wissen nur Freunde aus dem Internet und 2 reale
Freunde. Die eine ist die, die weggezogen ist...meine beste Freundin. Als ich es ihr mit den Tränen kämpfend erzählte,
sagte sie nur,ich solle damit aufhören. Sie sagte es in einem so gelassenen Ton, dass es mir weh tat. Sie machte sich
nichts mehr aus mir. Die andere Freundin war so geschockt, dass sie anfing zu heulen. Natürlich war ich daran Schuld,
also bestrafte ich mich auch dementsprechend mit der Klinge.
Ich weiß es ist falsch, doch es ist mir egal. Mich kann nichts davon abhalten, es zu tun...noch nicht. Ich fühle mich
gut, wenn ich es tue, meine Probleme schwinden dahin und der Druck auf den Alltag ist verschwunden.
Ich kann nur allen, die das hier gelesen haben, raten, dass sie niemals damit anfangen...ihr dürft es nicht
ausprobieren, denn es macht abhängig. Es ist wie ein Teufelskreis und ich bin in ihn hineingeraten. Bitte lasst
nicht zu, dass sowas mit euch auch passiert. Ritzen ist schlecht, deshalb fangt nicht damit an, sonst kommt ihr
nicht mehr davon los, wie ich.
Jeden Tag denke ich darüber nach, ob Selbstmord gut wäre...doch ich habe noch ein wenig vor in meinem Leben...bis
es so weit ist, ritze ich mich erst mal...
tiefer und tiefer...bis mir das rote Elexier des Lebens den Arm hinunter läuft...bis meine Seele endlich Ruhe
gibt...denn sie schreit nach Erlösung...
18.05.05
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