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Meine "roten Schreie" - Die Vortsetzung
Lady, 18 Jahre
Hallo Ihr,
unter Anonym,16 w könnt ihr meine Lebensgeschichte lesen, wenn ihr es möchtet.
Nun...mittlerweile sind fast 2 Jahre vergangen.
Es hat fast 6 Monate gedauert bis ich endlich einen Therapieplatz bekommen habe. In diesen 6 Monaten habe ich
ununterbrochen geritzt. Ich war auf der Suche nach einem vernünftigen Therapeuten aber wurde entweder abgewiesen oder
nicht ernst genommen. Meine Familie und Ich waren schon sehr verzweifelt. Dazu kam noch, dass wir aus unserem langjährigen
Zuhause hinausgeworfen wurden. Wir besetzten nun erneut ein relativ großes altes, heruntergekommenes Haus, dessen Räume
einer Rümpelkammer ähnelte. Es gab enorme Spannungen innerhalb der Familie, ja regelrechten Hass. Unsere finazielle Lage
war schwierig. Uns war klar, dass wir wohl oder übel in diesem "Schmuckschloss" wie ich es gerne bezeichnete hausen mussten.
Luxusartikel waren erst mal gestrichen nur das wichtigste wurde gekauft. Wir sparten alles für eine neue Unterkunft für 5
personen. Natürlich wurde das ganze Dorf auf uns aufmerksam und verspottete uns, was vor allem meiner Mutter sehr aufs
Gemüt schlug.
Irgendwann geriet ich an einen sehr lieben Mann. Ein Psychologe. Ich hatte vor jeder Vorstellung Angst und weinte oft.
Ich betrat also wieder einmal eine neue Praxis, recht altmodisch, doch irgendwie gemütlich eingerichtet. Nach einer kurzen
Wartezeit wurde ich dann in ein Behandlungszimmer geführt und setzte mich. Ich war sehr nervös obwohl ich dieses ganze
Procedere ja eigentlich schon gewohnt war. Ein großer weißhaariger Mann kam auf mich zu und begrüßte mich sehr herzlich.
Sehr ungewöhnlich fand ich das, da diese Psycho Menschen , die ich kennengelernt habe ziemlich hektisch und unfreundlich
waren. Dieser hier nahm sich viel Zeit für mich und mir fiel es auch gar nicht schwer ihm von mir zu erzählen. Leider
musste er mir mitteilen, dass er nur Patienten ab 18 annehmen könnte, doch er gab mir ein paar nützliche Adressen mit und
verschrieb mir erst mal Tabletten, die eine Behruigende Wirkung haben und meine Agressionen zurückschrauben sollten.
Um mich nicht zu sehr zu belasten schickten mich meine Eltern nach England zu meinen Verwandten, wo ich immer gern war.
Ich erlebte dort ein schönes Weihnachtsfest und sehr viel Halt, wie immer eben.
Ich kam sehr viel ausgeglichener wieder zurück nach Deutschland in unser Schmuckschloss. Ich habe mich dann auch nicht
mehr so sehr vor dem düsteren ekelhaften Haus gegruselt. Ich fing es sogar an zu lieben. Ich trieb mich gerne in den alten
zugestopften Räumen rum, wenn ich allein sein wollte, also fast immer. Es roch auch irgendwie immer gut und es machte
Geräusche. Vor allem Nachts.
Die Schule war die absolute Hölle für mich. Ich prügelte mich mindestens einmal pro Woche mit jemanden. Mir wurde sehr
oft gedroht und das Mobbing war unterträglich. Ich schwänzte dann oft die Schule, versuchte aber dennoch meine Noten im
mittleren Bereich zu halten. Es fiel die ersten Monate auch gar nicht so doll auf, denn in den Wintermonaten war ich
häufig krank. Ich tat also den lieben langen Tag so gut wie gar nichts außer mir viele kleine Schnitte zuzufügen.
Meine Mutter fuhr mich dann einmal zu einer Dame, die Menschen mit chinesischer Heilkunde hilft. Zu der ging ich dann
jede Woche und ich muss sagen, dass mich das anfangs sehr im Gleichgewicht hielt, nur meiner Seele und meinem Geist nahm
es nicht den Schmerz. Neben dieser Heilkunde gab sie mir noch mehreren Krimskrams. Meine Mutter war völlig von ihr
begeistert aber ich schenkte dieser Methode von Anfang an nicht so viel Glauben wie meine Mutter es tat. Sie nahm mir
zwar ab und zu das ein oder andere Wehwehchen doch ich fühlte mich trozdem, tief in mir nicht glücklicher sondern immer
noch leer. Ich ging also im großen und ganzen nur zu ihr um meine Mutter zufrieden zu stellen.
Wir lebten über die Wintermonate bis zum Frühling in dem Schmuckschloss.
Es waren jetzt nur noch ein paar Monate bis ich mit der Schule fertig war aber je mehr sich die Ferien näherten desto
heftiger wurde die Pöbelei. Ich hielt es gar nicht mehr aus. Ich weinte so oft und schnitt mir den Schmerz und den
Scham aus der Seele. Meine Mutter drohte mir zu der Zeit an, dass sie mich rausschmeissen würde, da sie mich nicht mehr
ertrage und ich eine Schande für die Familie sei. Sie bezeichnete mich als Verrückte/ Bekloppte aber mein Vater veruchte
sie immer wieder zu beruhigen und gleichzeitig für mich da zu sein. Ich blieb andauernd zu Hause oder flüchtete aus der
Schule. Es machte die Runde, dass ich total durchgeknallt und gefährlich sei. Naja zwei Mädchen einer anderen Klasse
kamen oft zu mir und schleppten mich am Wochenende mit in die Disco. Ich haßte Discos zwar, weil ich größtenteils nur
Punk und Rock höre aber trozdem kam ich mit.
Wir fanden nun endlich ein schönes Haus, dass goß genug für uns alle war. Und ich hatte auch enlich einen Therapieplatz,
der mir aber nicht sehr viel brachte, denn dort bekam ich leider nur 1 Mal im Monat einen Termin. Die Situation in der
Schule verbesserte sich nicht. Wenn ich überhaubt mal in der Schule war saß ich eh nur noch rum und dröhnte mich mit der
Musik aus meinen Kopfhörern zu, es sei denn wir behandelten ein interesantes Thema. Ich meldete mich ein bis zwei mal im
Unterricht, stammelte irgendeinen schlau klingenden Satz zusammen und schrieb in den meististen Arbeiten eine 3. In der
Pause stand ich meist abgelegen in einer Ecke um eine Zigarette zu rauchen und redete kaum mit jemanden. Die Lehrer
bemerkten kurz vor den Ferien, dass ich eine sehr große Menge an Fehlstunden hatte und rifen meine Mutter bei der Arbeit
an. Ich war an dem Tag natürlich wieder zu Hause. Mein Vater tauchte plötzlich total überraschend auf und brachte mich
sofort zur Schule. Ab dem Tag konnte ich natürlich nicht mehr fehlen. Doch die Ferien rückten immer näher.
Ich verbrachte meine Ferien wieder bei meinen Verwandten und nutze die Zeit auch um von meinen Tabeletten herunter zu
kommen. Nach den Ferien ging alles bergauf. Ich begann in einer Schule für Kinder und Jugendliche mit einer geistigen
Behinderung zu arbeiten. Das tat ich ein ganzes Jahr lang. Dieses Jahr hat mich enorm geprägt. Wie von selbst ritzte
ich nicht mehr, denn ich erfuhr sehr viel Liebe, Annerkennung und Nähe von den Kindern. Das was mir so lange gefehlt hat.
Ab und an hatte ich auch mal schlechte Zeiten und in meinen Kopf erschienen düstere Gedanken aber ich bekam diese schnell
wieder in den Griff. Ich schloß einige Freundschaften doch zwei davon brachen wieder auseinander, Ich wurde nun wieder
verletzt. Ich hatte auch zwei sehr kurze dramatische Verhältnisse, die mich völlig aus der Bahn rissen. Ganz kurz machte
ich wieder Bekanntschaft mit der Rasierklinge, doch nach einiger Zeit hatte ich mich wieder unter Kontrolle. Also nichts
weltbewegendes. Alles im Allem war ich ein Jahr richtig Glücklich bis auf diese Zwischenfälle.
Nun mache ich gerade eine schulische Vollzeitausbildung. Diese Situation erinnert mich sehr an meine vorherige Schulzeit.
Für mich ist es unheimlich schwer jegliche Art von Beziehung zu jemanden aufzubauen. Die Schule ist ziemlich stressig und
mir fällt es schwer mich darauf einzulassen, aber ich gebe mein bestes, denn ich habe ein Ziel vor Augen, dass ich leider
nur auf diese Art und Weise erreichen kann. Ich hatte darüber eine heftige Diskusion mit meiner einen Therapeutin, denn
sie versucht mir andauernd ihre Lebensphilosophie aufzudrücken, mit der ich überhaubt nich übereinstimme. Ich habe
erkannt, dass mir diese Art von Therapie nicht mehr weiter bringt und werde auch demnächst nicht mehr dort hingehen. Ab
nächstem Jahr bietet sich mir die Mögichkeit einer Psychotherapie zu beginnen an. Dort werde ich öfter und auch
intensiver behandelt.
Momentan bin ich wieder in einer neuen selbstfindungs Phase. Ich ziehe mich sehr von meinen Mitmenschen zurück und
versuche auserdem mit der Schulsituation klar zu kommen, ich versuche auch das was mal war hinter mir zu lassen und es
einfach zu akzeptieren, nur leider fällt mir das sehr schwer. Ich versuche immer weiter an mir und meinem Leben zu
arbeiten. Ich ritze zwar nicht mehr, jedoch spielt sich ne ganze Menge in meinem Kopf ab. Ich bin auch noch sehr, sehr
oft depressiv und verspüre genauso oft den Drang mich selbst zu verletzen. Auch Suizid Gedanken sind mir nicht fremd.
Aber ich kämpfe weiter, denn was anderes bleibt mir ja nicht übrig.
25.10.2004
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