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Irgendwann.... ändert es sich vielleicht

Redsister, 17 w
 

Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, alles fing vor drei Jahren an. Meine damalige beste Freundin hatte sich in jemanden verliebt und hatte fürchterlichen Liebeskummer.

Irgendwann erzählte sie mir, dass sie sich geritzt hätte und dass sie Nagellackentferner getrunken hatte um sich umzubringen. Ich wusste damals nicht wie ich reagieren sollte. Ich hatte noch keine solche Erfahrungen gemacht. Ich glaube ich war still. Hab nichts gesagt. Sie weiter tun lassen. Ihr aber zu gehört. Ich weiß nicht ob sie es immer noch tut. Ich weiß nicht ob es das richtige war nichts dazu zusagen. Dann hab ich mich verliebt. Unglücklich und unsterblich. Leider in den Falschen. Unerwiderte Liebe. Anfänglich hab ich mich nur einsam gefühlt. dann wurde mir immer mehr die Distanz zu dieser Person klar. Es tat weh. Und ich erinnerte mich an meine Freundin. Ob das wohl helfe?, hab ich mich gefragt. Tot zu sein? Ich habe eine Nagelschere genommen und fing an mit der stumpfen Klinge auf meiner Haut rum zukratzen. Über der Pulsader. Ich sah kein Blut, aber es tat weh. Es tat wirklich weh, aber der Schmerz war gut. Dann war sie sauer, die Freundin mein ich, auf mich. Und ich bin im Chat mit ner gemeinsamen (anderen) Freundin ausgerastet. Ich hab ununterbrochen geweint und ihr geschrieben, dass ich sterben will. Und dass ich's versucht hätte. Sie hat mich angerufen und gemeint ich soll das nicht mehr tun. Ich tat es nicht mehr.

 

...dann, ich weiß nicht mehr wann hatte ich wieder Liebeskummer, es wurde immer unerträglicher. Und ich griff wieder zur Nagelschere. Der Schmerz reichte mir im Moment. Obwohl ich eigentlich nicht im Gedanken ans Ritzen war, sondern eher an Selbstmord. Ich hatte das Verlangen zu sterben. Ich malte mir aus was wäre wenn ich sterben würde. Wen würde es interessieren? Wem wäre es egal? Wer würde etwas dazu sagen? Was würden sie sagen? Würde es sie stören? Meine Familie vielleicht... Vielleicht ein paar meiner Freunde, dem Rest wäre es egal...., das dachte ich.

Ich wollte mich töten, hatte aber nie genug Überwindung fest genug aufzudrücken. Tief in mir wollte ich leben. Irgendwas in mir wollte leben. Und dieses etwas wollte dieses Leben spüren.

Dann habe ich an den Beinen weiter gemacht. Noch immer hab ich nicht geblutet. Aber die langen roten Striche sah man trotzdem noch ein paar Tage. Und sie brannten. Und es tat gut.

Dann war ich auf einer Feier. Nach einer Depressionsattacke und betrunken kam ich heim. Ich hatte wieder Selbstmordgedanken. Da sah ich die Flasche mit Nagellackentferner und dachte an meine Freundin. Ich nahm einen großen Schluck. Das Zeug ätzte sich durch meine Speißeröhre. Ich warf mich auf mein Bett und wälzte mich vor Schmerz. Dann erbrach ich mich. Jedesmal, wenn ich an Nagellackentferner roch konnte ich diesen gräßlichen Geschmack gerade zu schmecken. Aber es tat auch gut. Das übergeben und der Schmerz. Er befreite mich...

Dann habe ich mich wieder verliebt (wobei ich glaube, dass es nur verknallt war). Am Anfang lief es noch gut, aber dann... Er wollte was von ner anderen, wir haben uns trotzdem geküsst. Er ließ mich fallen. Und dann bin ich ins Bad gegangen und haben einen Einweg-Rasierer auseinander gebrochen....

Nun wollte ich ich bewusst verletzen. Ich entwickelte einen Selbstzerstörung-Drang. Bei jeder Kleinigkeit krallte ich mir meine Fingernägel in meinen Arm.

Dann war wieder kurz Schluss, aber nicht lange. Wieder Liebeskummer und wieder die Klinge. Ich wurde enttäuscht, ich griff zum Messer. Ich wurde verletzt, ich nahm die Rasierklinge. Manchmal zog ich auch an meinen Haaren, was leider nicht genug war. Als ich über diese Person hinweg war, sah ich die Narben. Ich fühlte mich schlecht. Sie würden immer bleiben. Ich traute mich nur noch duschen, wenn die Türe sicher abgesperrt war, hatte Angst vor dem Arzt und mied Schwimmbäder.

Doch dann war ich die böse. Ich brach jemanden das Herz. Er litt unter mir. Und ich hatte Schuldgefühle, die mich heulend im Bett rumwälzen ließen. Ich MUSSTE mich bestrafen. Ich griff zur Klinge, nach dem ich es endlich geschafft hatte aufzuhören. Ich wusste, die Narben werden mich immer verfolgen. Ich schnitt sehr tief. Ich wollte mein Blut sehen. Das Blut das ich sah war das wichtigste geworden, der Schmerz ein nebensächlicher Genuss.

Dann auf einer Homeparty.

Eine Freundin entdeckte die frischen Narben, als ich einen Rock trug. Hast du das wirklich getan?, fragte sie mich und sah auf die Wunden, die versehentlich frei lagen. Ich brach in Tränen aus und in mich zusammen. Ich redet drauf los. Erzählte, wie ich mich hasste dafür. Wie ich leiden sollte.

Sie packte mich in ihr Auto und fuhr mich heim. Vor meiner Haustür blieben wir noch sitzen und redeten. Sie wollte mir helfen. Sie war für mich da. Wir redeten Stunden. Ich kam viel zu spät heim.

Ich wollte keine Narben mehr haben. Ich traute mich fast nichts mehr. Hatte Angst vor dem Sportunterricht, der im nächsten Jahr wieder anfangen sollte.

Ich hörte auf. Und ich schaffte es. Ein halbes Jahr. Ein ganzes halbes Jahr. Dann verliebte ich mich. Ich war mit ihm zusammen, aber er liebte mich nicht. Ich litt so sehr, dass ich irgendwann die Kontrolle komplett über mich verlor. Wie in Trance ging ich zur Schublade und holte die Klinge heraus. Sofort beim ersten Schnitt hörte ich das weinen auf. Ich dachte nichts mehr. Ich tat es am Arm. Da wo jeder es sah. Nie hätte ich das bewusst getan.

Ich klebte ein Pflaster drüber und hoffte auf keine Fragen. Es klappte, nur einer entdeckte es. Mein Freund, der allerdings meinte nur, tu das nicht. Mehr nicht, er fragte nicht mehr viel weiter nach.

Was mich daran besonders erschütterte, ich konnte mich nicht mehr an den genauen Grund und Tag erinnern. Mein Freund fragte mich:"Wieso hast du das getan?" Ich: "Ich weiß es nicht." Er:"Wann?" ich:"Weiß ich auch nicht, aber es war noch diese Woche."

Ich hatte ein komplettes Blackout, alles was ich weiß war dass ich es getan hab. Und ich sehe mich noch selber, wie ich mit der Klinge über meine Haut fahre. Viel mehr weiß ich nicht.

Mein jetziger Freund hat mich da raus geholt. Mich weg von ihm gebracht. Und sich um mich gekümmert. Ich rede mit ihm darüber und das tut gut. Doch das Problem bleibt, denn obwohl ich glücklich bin, ist das starke Verlangen nach Schmerz und Blut noch da. Und die Narben heilen nie. Sie sind immer da. Und ich werde es auch nie vergessen können. Irgendwann schaff ich es vielleicht da raus.

 

12.01.2011
 

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