Kontakt- und Informationsforum für SVV-Angehörige

Forum         Chat         Kontakt         SVV-Seiten         Neues

 
*    Startseite
 
über SVV
*    Informationen
*    Interview
*    Fragen zu SVV
 
professionelle
Hilfe
*    Wege zur Thera
*    Adressen
*    Therapieformen
*    online-Hilfe
 
praktische
Selbsthilfe
*    Ratschläge für
     Angehörige

*    Alternativen zu SVV
*    Tipps
*    Selbsthilfe
 
Austausch über
*    Forum
*    Chat
*    Gästebuch
*    e-Mail
*    andere Foren
 
Erfahrungs-
berichte
*    Betroffene
*    Angehörige
*    kreative Beiträge
 
Literatur
und Medien
*    Bücher
*    Medienberichte
*    Internet
*    SVV-Websites
*    private Homepages
 
weitere
Aspekte
*    Gedanken
*    über diese HP
*    SVV-Projekte
*    Prominente
 
Organisatorisches
*    Downloads
*    Technisches
*    Chronologisches
*    Aktualisierung
*    Danke

Mein trauriges Leben

Hannah, 15 w
 

Alles begann, als ich so ca. 14 Jahre alt war. Ich werde bald 16 Jahre alt. Also sind das jetzt ca. 2 Jahre, in denen SVV ein sehr großer Teil meines Leben ist bzw. war.

Es begann alles mit einem sehr heftigen Streit zwischen mir und meinen Eltern. Der Streit war der Punkt, an dem der Vulkan in mir ausgebrochen ist.. Der ganze Druck, der mich monatelang quälte, brach jetzt hervor.. Ich sollte schulisch gut sein, meine Freunde nicht vernachlässigen und gleichzeitig mein Pferd nicht vernachlässigen. In allem war meine jüngere Schwester besser und ich bekam das auch sehr wohl zu spüren, dass ich die schlechtere war. Immer wurde ich angemotzt, wegen jedem Kleinscheiß. Ich kam mit allem einfach nicht mehr klar.

Die Tage nach dem Streit ignorierte mich meine Mutter eiskalt.. 4 ganze Tage lang behandelte sie mich wie Luft, sprach nicht mit mir und machte sonst was. Meine Schwester war wieder der Mittelpunkt. Jeder, der von seiner Mutter auch nur eine Sekunde abserviert wurde, eiskalt abserviert wurde, weiß in etwa, wie ich mich gefühlt habe. Weil es ist ein scheiß Gefühl von der Mutter nicht beachtet und abgestoßen zu werden..

An dem Abend saß ich in meinem Zimmer und ich spürte, dass ich mich irgendwie verletzten musste! Es tat alles so weh.. Ich wollte spüren, ob ich es wert bin, ob ich noch da bin und das wirklich alles erlebe. Es war, als ob mein Körper selber handeln würde und mein Kopf komplett ausgeschaltet ist. Ich konnte nichts tun.. Ich sah förmlich nur zu, wie (anfangs eben erst noch der Zirkel oder das Cuttermesser) in meinen Arm schnitt.. Nur ganz leicht.. Im Grunde blutete es gar nicht richtig.. Direkt, nachdem ich es getan hatte, spürte ich diese Freiheit in mir aufsteigen.. Dieses Lebensgefühl..

Von Tag zu Tag wurde es schlimmer.. Ich wollte und musste mich immer öfter ritzen. Es wurde einfach Alltag bei mir, dass ich zum Messer oder zu anderen Gegenständen griff um meinem Arm neue Wunden zuzufügen..

Dass das Ganze aber erst der Anfang vom Ende sein würde, wusste ich da noch nicht.

Ab dem Zeitpunkt ging mein Leben immer mehr bergab.. Ich bekam nichts mehr richtig hin. Der Stress wuchs mir über den Kopf. Alles ging schief und nichts klappte mehr. Alles, was sich in irgendeiner Weise negativ auf mich auswirkte, brachte mich dahin, mich wieder zu ritzen.. Egal ob ich Wut auf mich oder auf andere hatte. Ich ließ es an mir aus. Ich fraß alles mögliche in mich rein. Baute immer mehr eine Schutzwand um mich rum, damit niemand sehen konnte, wie es in mir drin aussieht..

Mein Arm war schon nach kurzer Zeit grausam vernarbt. Obwohl ich da noch nicht einmal tief und oft geritzt hatte. Höchstens einmal am Tag und dann auch nur höchstens  5 Schnitte, mehr nicht!

Doch schon bald entdeckte ich die Rasierklinge. Das Messer war nicht mehr „gut genug“. Ich brauchte sozusagen mehr. Mehr Schnitte.. mehr Schmerzen.. mehr Blut um all das zu betäuben, was mir so weh tat.. Ich schnitt an die 30 mal täglich in meinen Arm mit der Rasierklinge. Entweder nur leicht die Oberhaut oder zentimetertief in den ganzen Arm, sodass es meistens wohl an die 20 Minuten lang blutete. Es war so ein unglaubliches Freiheitsgefühl für mich. Die Tränen, die ich dabei verlor, konnte ich gar nicht mehr zählen.. Von Tag zu Tag habe ich mich öfter täglich geritzt. 2 oder 3 mal wurde dann zum Alltag. Und jedes (!) mal ritzte ich mich öfter als 30 Schnitte. Bei 2 mal täglich also 60 neue Schnitte auf meinem Arm, sodass der rechte Arm nach nicht allzu langer Zeit übersäht war. Und das wirklich wortwörtlich.. Ich kam mit meinem ganzen Leben immer weniger klar.

Dazu kam dann auch noch, dass man anfing, mich wegen meines Styles zu mobben. Man machte mich fertig mit den übelsten Mitteln. Drohte mir, wollte mich verprügeln und all das.. Das war der Punkt, an dem ich oft an Selbstmord gedacht habe und überlegt habe, wieso ich noch hier sein soll. Das einzige, was mich am Leben hielt, war die Angst.

Die pure Angst einfach nur.. Ich kann das kaum beschreiben.. Ich hab die Klinge an den Pulsadern angesetzt, jedoch nur so leicht reingeritzt, das nichts passiert ist. Kaum Blut, nur rote Streifen. Ganz leicht..

SVV ist ein Teil meines Lebens und wird es auch immer bleiben. Auch wenn ich mich nicht mehr jeden Tag ritzen werde irgendwann, werden mich die Narben und Erinnerungen täglich daran erinnern. Die Angst ist immer noch da und viele Freunde haben versucht, mir zu helfen. Doch auch sie haben es nicht geschafft. Wie auch!!! Das Verlangen ist viel größer, als der Verstand, es nicht tun zu dürfen.. Ich muss es tun.. Und ich weiß, dass es falsch ist und es kein Ausweg ist. Aber es gehört zu mir und ist ein Teil von mir

25.11.2007
 

weiter blättern  >>>
 
Übersicht Erfahrungsberichte 101 - 200
Übersicht Erfahrungsberichte     1 - 100
 
© Rote Linien
Impressum     Nutzungsbedingungen      Disclaimer