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Mein Weg mit dem Klinikaufenthalt meiner Tochter

OmaNik, Mutter

Ich habe mich entschlossen, in diesem Bericht über meine Gedanken, Gefühle und die Ereignisse rund um den Klinikaufenthalt meiner Tochter zu schreiben.Sicher wird es ein sehr subjektiver Berichtund auch kein Bericht, der über viele Einzelheiten des Klinikalltags erzählt. Da ich aber mehr oder minder vergeblich nach längeren Berichten über Klinikaufenthalte gesucht habe, als meine Tochter sich entschloss, diesen Weg zu wählen, denke ich, es könnte den ein oder anderen interessieren. Ich werde versuchen, aktuell zu schildern, wie und was ich als Angehörige mit dem und durch den Klinikaufenthalt erlebe bzw. dabei empfinde.
 
Im Vorfeld des Aufenthalts :
Meine Tochter wartet auf einen Platz in einer psychiatrischen Klinik. Nachdem sie von sich aus beschlossen hatte, dass der Aufenthalt in einer Klinik für sie im Augenblick der richtige Schritt ist, hat sie es mit ihrer behandelnden Psychiaterin besprochen, die dann eine Klinik vorgeschlagen hat. Meine Tochter ist bereits 18, aber noch Schülerin, daher sollte sie einen Platz in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie bekommen. Leider haben wir nach 4Wochen erfahren, dass sie dort noch mit einer Wartezeit von mind. 4 Monaten rechnen muss. Hierauf kam der Entschluss,die Erwachsenenabt. derselben Klinik in Anspruch zu nehmen. Allerdings warten wir auch da noch auf den Aufnahmetermin.
 
5 Tage vor der Aufnahme :
Ja,das war bis heute der Stand der Dinge,wir in der Warteschleife...... Und wir wollten alle,dass es schnell klappen soll. Und heute vormittag der Anruf........, nächsten Mittwoch soll sie kommen. Da ist in meinem Kopf alles durcheinandergewirbelt : gestern hatten wir doch soviel spass beim einkaufen,werden die denn gut auf sie aufpassen,wie schön,dass sie hilfe bekommt,ich will sie nicht hergeben,es geht ihr doch im Moment ganz gut,oder doch nicht?, warum denn so bald...... Ja,das waren so einige meiner Gedanken und ich bin richtig traurig und habe Angst........Jetzt flüchte ich mich in Organisationsfragen, mal sehen,wie lange ich das durchhalte. Habe ich wirklich erst vor zwei Tagen geschrieben,dass ich mich freue,wenn sie einen Platz bekommt? Das erscheint mir heute völlig unmöglich......
 
4 Tage vor der Aufnahme :
Fast 24 Std. später oder anders ausgedrückt 24 Std. näher an der Stunde Null....... Ich danke euch für eure Reaktionen auf meinen Bericht,endlich konnte ich weinen. Das hat mir wirklich geholfen und ich fühlte mich getröstet. Nun kann ich schon wieder etwas vernünftiger an das Ganze rangehen.Sehr schwierig war es heute für mich,zu einer Sportveranstaltung meiner Turnmädchen (Verein) zu gehen,denn eigentlich will ich jede freie Minute bis Mittwoch mit meiner Tochter verbringen. Aber das ist sowieso nicht möglich,denn sie muss und wil ja von mehr Leuten Abschied nehmen.Bin ich darauf eifersüchtig? Nein, ich glaube nicht. Ich wünsche mir für sie nur,dass sich alles so gestaltet, dass sie mit so leichtem Herzen wie möglich gehen kann.Wird sie es schaffen, noch einige Personen zu informieren, die bisher noch nicht eingeweiht sind, aber zeitlich so stark in ihr Leben involviert sind, dass ihnen die Abwesenheit meiner Tochter in jedem Fall auffallen wird? Oder wird das meine Aufgabe werden? Das sind ein paar meiner Gedanken. Der Mittwoch steht nicht mehr als das Schreckgespenst vor mir wie gestern,noch immer fällt es mir schwer an die Trennung zu denken. Aber es wird besser,ich sehe wieder die Notwendigkeit und dass es zu ihrem Weg gehört, da sie nach einem Jahr ambulanter Behandlung keine wirklichen Fortschritte gemacht hat.
 
2 Tage vor der Aufnahme :
Wie war das heute? Ja, in der Schule war ich, alles Dinge, die sie nicht selber macht oder machen kann. Es war nicht so einfach,obwohl die Schule ja bereits um die Erkrankung meiner Tochter wusste. Sicher bin ich auch empfindlich,aber ein wenig schien es mir so, Schülerin erst mal weg ---> Problem gelöst. Klar hiess es alles Gute und wenn sie dann wiederkommt ,muss man weitersehen, aber naja........,so wie man halt so allgemein redet.Die Tränen hab ich mir aber bis zum Auto verkniffen. Danach habe ich dann mit ihrer Therapeutin telephoniert, die weiteren Termine absagen. Das hat mich dann wieder aufgebaut. Nicht nur, dass sie mir versichert hat, dass meine Tochter auf dem richtigen Weg ist, sie hat auch gebeten, dass meine Tochter ihre Tel.nummer mitnimmt, damit sie sich bei der Thera melden kann, wenn sie möchte oder Rat braucht. Also da nicht einfach Akte zu........ Und positiv empfinde ich auch die Gelösheit, mit der meine Tochter dem Klinikaufenthalt entgegensieht. Sie gibt sich fröhlich und soweit ich es sehe,ist die Fröhlichkeit nicht gespielt. Auch heute Abend, beim Tasche packen, war die Atmosphäre entspannt. Tasche packen heute schon war angesagt,weil sie morgen den Tag noch einmal ganz mit eigenen Aktivitäten füllen möchte. Das kann ich nachvollziehen. Morgen werde ich dann wohl den Vormittag am Telefon verbringen, denn natürlich hat sich die Klinik heute nicht gemeldet. Und somit wissen wir eigentlich weder wohin meine Tochter am Mittwoch muss, noch wann sie dahin muss und was sie mitbringen muss. Ist kein so tolles Gefühl, irgendwie fühle ich mich da allein gelassen. ich warte aber noch die Post morgen ab....... Es gab viel zu tun heute, das hat es überdeckt,dass die Zeit abläuft und ich glaube,so wird es bis Mittwoch bleiben. Wie ich das am Mittwoch schaffen werde, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Aber irgendwie muss ich das sortiert kriegen, denn ich glaube, wenn ich am Mittwoch weinen muss, wäre das für meine Tochter eine Belastung. Oder vllt. nicht? Würde es ihr zeigen, dass ich mich ungern von ihr trenne und ich sie liebe? Ich weiss nicht, vllt. schreibt mir jemand seine Meinung dazu, ich wäre euch dankbar.
 
1 Tag vor der Aufnahme :
Heute morgen meine Tochter und ich im Auto vor der Bäckerei : Sie möchte etwas zu essen für die Schule, aber ich soll es holen......Wie so oft starte ich den Versuch, sie das selbst erledigen zu lassen. Ihre Antwort : Ich muss ab morgen gross und stark sein, heute will ich noch klein sein. Ich werde morgen NICHT weinen, versprochen. Ich dachte nicht, dass ich heute noch weiteres nennenswertes berichten könnte, aber wie so oft :das war ein Irrtum. Ich bin so wütend....... Habe heut morgen in der Klinik angerufen, habe sogar überraschend schnell die zuständige Ärztin erwischt (der Name war das einzige ,was mir bis heute bekannt war) und konnte von ihr die nötigen Auskünfte,also wohin, wann und wie, bekommen. Ich legte zufrieden auf. Nach einer Stunde ein Anruf der Klinik,allerdings eine andere Person. Leider könne meine Tochter morgen nicht aufgenommen werden, wir müssten das auf nächste Woche verschieben. Immerhin war ich geistesgegenwärtig genug,sofort zu widersprechen,woraufhin er sich dazu herabließ, übermorgen anzubieten.Ende des Gesprächs.Frust. Erst nach längerem Überlegen wurde ich richtig wütend. Der Mann wollte eigentlich mit meiner Tochter reden, klar, sie ist ja volljährig. Sie hätte dem sicher nichts entgegensetzen können und das so hingenommen. Und was soll das überhaupt, die sind doch die Fachleute.......Können die denn nicht sehen, dass das für den Betroffenen nicht so einfach ist und so ein Rausschieben im letzten Moment evtl. dazu führt, dass er gar nicht geht.Genau das kam nämlich von meiner Tochter : "bis nächste Woche hätte ich nicht gewartet, dann wäre ich gar nicht gegangen" Und komisch,wieso können sie nicht anrufen, um nötige Informationen zu erteilen,aber wenn es ums absagen geht,dann haben sie plötzlich die Telefonnummer. *ICHBINSOWÜTEND* Ich muss die ganze Zeit daran denken,wie es jemandem mit ähnlichen Problemen wie die meiner Tochter damit gehen würde, der niemanden hat, der sich um das Organisatorische kümmert, der ist doch dann völlig aufgeschmissen. Ach verdammte Sch****e, ich könnte irgendwas zerdeppern. Ist das normal, dass sich "Fachleute" so unqualifiziert verhalten oder bin ich nur so wütend, weil es uns getroffen hat und ich sehe es zu subjektiv.
 
Der Tag der Aufnahme :
Jetzt ist sie wirklich weg............
............und ich bin hier.
Versuchen will ich mal ,was zu schreiben.
Aber es ist alles noch so wirr,immer noch. So vieles ist mir unverständlich geblieben,was ich gestern gefühlt und aufgenommen habe. Vordergründig ist das Gefühl, dass es nicht der richtige Platz für meine Tochter ist. Obwohl sie in keiner Weise etwas gesagt oder hat erkennen lassen,was diese Gedanken in mir auslösen könnten. Eher im Gegenteil, oder liegt es daran, dass sie mir schon soviel vorgespielt hat, dass ich einfach nicht mehr akzeptieren kann, das sie es genauso empfindet wie sie es mir gegenüber darstellt? Dass die rein äusserlichen Bedingungen nicht so sein würden, wie ich es mir gewünscht hätte, war mir im voraus klar und damit kann ich mich abfinden. Immerhin waren alle sehr nett und haben sich auch um uns Eltern bemüht und uns nicht als unerwünschte Anhängsel behandelt. Um mein Unbehagen verständlich zu machen,sollte ich vllt. noch kurz über die bisherige Behandlung meiner Tochter berichten. Sie ist seit ca. 1 Jahr in psychiatrischer und therapeutischer Behandlung. An beiden Stellen fühlten wir uns mit unseren Sorgen als Eltern immer gut aufgehoben und auch informiert sowie beraten, ohne dass das Vertrauen meiner Tochter zu ihnen missbraucht wurde. Gestern dann hat der zuständige Arzt nach dem Aufnahmegespräch mit meiner Tochter noch mit meinem Mann und mir geredet. Und hier liegt mein Problem : Er wollte von mir wissen, was denn die Probleme meiner Tochter seien. Meine Erklärung,dass sie da nicht drüber spreche, hat mich sofort in die Defensive gedrängt. Nacheinander kamen dann folgende Aussagen von dem Arzt, die in mir haften geblieben sind und die dazu beitragen,dass ich mich schuldig fühle, wie nie zuvor : 1.Die bisher vermuteten oder auch angedachten Diagnosen seien seiner Meinung nach nicht richtig, aber er habe da schon eine Vorstellung. 2. Ob man bei dem Medikament ( welches aus meiner Sicht das bisher erfolgreichste ist) bleibe, glaube er eher nicht. 3. Meine Erklärung, dass sie die Schule nur noch aus sozialen Gründen besucht habe und keine Klausuren mehr geschrieben habe. wurde mit dem Hinweis belegt, dass man solchen Prüfungsängsten besser nicht Vorschub leisten solle. 4. Und meine Tochter solle ja wohl nicht stärker psychiatrisiert werden als nötig. Insgesamt habe ich mich zu keinem Zeitpunkt des letzten Jahres so schuldig,so dumm und mit dem Gefühl,alles falsch gemacht zu haben ,gefunden. Unterstelle ich meiner Tochter psychische Probleme, die sie nicht hat? So kam das alles zu mir rüber, als ob ich es geniesse, sie dort zu sehen und die leidende Mutter zu spielen. Aber vllt. war ich auch nur zu empfindlich, zu aufgeregt ,zu ängstlich und zu verwirrt. Denn viel mehr als diese Worte sind bei mir nicht hängengeblieben. Ich werde versuchen, eine neutrale Position zu finden, um weder meine Tochter durch meine evtl. spürbaren Ressentiments zu verunsichern noch um die vllt. noch folgenden Gespräche mit dem Arzt zu belasten. Ob das jetzt so verständlich war, kann ich nicht sagen. Ich habe mich bemüht, die Fakten darzulegen,sicher subjektiv gefärbt, aber mehr konte ich heute nicht leisten. An meine Gefühle komme ich immer noch nicht wirklich ran......., vllt. besser so
 
Der 5. Tag in der Klinik :
Jetzt ist sie schon den 5.Tag nicht mehr zu Hause. Komisch, es ist immer noch so als ob es erst vor ein paar Stunden war, dass ich sie dort ließ. Dabei habe ich schon mit ihr telephoniert und sie einen langen So-nachmittag besuchen können. Wie war das mit dem Besuch ? Einfach nur die Gegenwart des anderen wahrgenommen, über ihren Tagesablauf gesprochen, von daheim erzählt und der organisatorische Kram........ Gefühle waren zwar zu spüren, aber es wurde nicht dran gerührt. Es war gut sie zu sehen; aber unschwer zu erkennen ,dass sie im Moment wieder schlechter dran ist ,was ja nicht unerwartet ist, aber darum nicht weniger schmerzt. Vor allem, weil sie die letzten Wochen so positiv gestimmt war. Der Abschied war grauenvoll, ich habe nur kurz in ihre Augen schauen können, und das war schon mehr als ich eigentlich aushalten konnte, ohne den Aufzug wieder zu verlassen und sie mitzunehmen. Ich bin regelrecht weggerannt aus der Klinik. Gestern hatte ich dann Gelegenheit mit der Therapeutin zu reden, die meine Tochter bisher behandelt hat, zu sprechen.Sie hat mir einiges geraderücken können,was der Klinikarzt mir gegenüber alles von sich gegeben hat. Gut, dass es sie gibt, denn bei ihr sehe ich wirkliches Interesse, meiner Tochter beizustehen. Und heute ist ein neuer Tag und vllt. höre ich heute Abend am Telephon ja etwas Positives......., immer schön zuversichtlich bleiben
 
Der 9. Tag in der Klinik :
Nachdem ich gestern im chat alle zur Verzweiflung mit meiner traurigen Stimmung gebracht hab ( ich danke euch sehr fürs Zuhören und die aufbauenden und informativen Gespräche ), will ich auch hier den Bericht fortsetzen. Nachdem sie es gestern angekündigt und heute morgen entschieden hat, den Klinikaufenthalt abzubrechen, fehlte meiner Tochter zur Umsetzung des Vorhabens nur noch ein abschliessendes Gespräch mit dem Arzt, welches sie heute mittag führen wollte...... Um zu erfahren, wann sie geholt werden möchte ,hatten wir ein weiteres Telefonat verabredet. Bei diesem teilte sie mir mit, dass sie nun doch bleibe bis das Vorstellungsgespräch für eine vorgesehene Therapie im Verlauf der nächsten Woche stattgefunden haben wird.Soviel zu den Tatsachen. Meine Gefühle haben mal wieder den absoluten Jojo- Effekt verspürt, meine Gedanken Purzelbäume geschlagen und wofür: um feszustellen, dass es mir besser getan hätte, einfach abzuwarten und danach über Folgen, Zukunft usw. nachzudenken. Warum kann ich das nicht?
 
Der 14. Tag in der Klinik :
Ja, lange nichts mehr geschrieben........ Es hat sich auch alles irgendwie beruhigt....., und morgen kommt sie heim. Aber sie wird heimgeschickt,weil es im Moment keinen Platz in der vorgesehenen Therapie gibt. Tja, fragt mich nicht, ich kapiers auch nicht.. Und ich glaube, sie wird wieder dorthin gehen, wenn denn ein Platz frei wird. Wiederum nur positiv kann ich über ihre heimische Psychiaterin und Psychologin (doof, aber wie soll ich das anders beschreiben) berichten. Meine Tochter hat mich gebeten, Termine mit ihnen auszumachen. Die Psychologin hat nach meinem Anrufbeantworterspruch sofort versucht,meine Tochter selbst zu erreichen und ihr gleich für morgen abend einen Termin angeboten. Die Mitarbeiterin der Psychiaterin hatte erst etwas für 5 Tage später, aber 2 Std später kam der Rückruf, dass die Ärztin sie früher sehen will und sie übermorgen in der Mittagspause kommen soll. Ich denke, meine Tochter hat sehr viel Glück mit ihren betreuenden Fachleuten und das gibt auch mir ein gutes Gefühl. Hier werde ich vorerst den Bericht beenden, ob ich den Faden wiederaufnehme, kann ich heute noch nicht sagen.....
 
Ich danke allen Lesern fürs (*g*) lesen
 
Nachtrag :
Meine Tochter ist nicht erneut in die Klinik gegangen.....
Sie setzt ihre Hoffnung in die weitere ambulante Behandlung.
 
07.11.2003
 
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